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Liebe Jasmin, mein Engel,
leider sehe ich keinen anderen Weg als diesen. Also schreibe ich Dir diesen Brief. Ich hoffe, Du wirst ihn auch lesen. (Ich weiß, dass dieser Satz vollkommen unnütz ist, denn entweder hast Du diesen Brief geöffnet oder nicht. Aber irgendwie schreibt man dieses ‚Ich hoffe, Du wirst ihn auch lesen’ einfach intuitiv.)
Unser Gespräch brachte mich nicht weiter, denn Du bist wieder vor mir geflüchtet. Ja, ich sage es so wie ich es meine, Du bist geflüchtet. Immer wieder dieses Hin und Her. Ich weiß nicht, was los ist. Du weißt, wie viel du mir bedeutest, Du spürst es auch und Du kannst es nicht verneinen. Mir ist bewusst, dass ich nicht meine Gefühle zeigen kann, aber dies geschieht nur aus Respekt vor Dir und vielleicht aus der Angst heraus, verletzt zu werden. Ich habe Dir zwar gesagt, dass ich Dich liebe, aber ich sage es doch nur, um Dich zu bei mir zu halten. In diesem Sinne ist es irgendwie gelogen. Ich gebe zu, dass Du für mich mein Ein und Alles bist, wie Sascha es zu Jenny meinte, aber ich will hier nichts kopieren. Meine Gefühle sind nicht kopiert. Sie sind echt und meine kleine Welt, die Du erleben sollst. Ich lüge nicht, wenn ich Dir sage, dass ich Dich sehr lieb habe und öfters ‚Ich liebe Dich’ denke, aber die Unsicherheit Dir gegenüber und Deinem in der Vergangenheit vorgekommenen Verhalten lassen meine Gefühle Dir gegenüber nicht klarer werden. Bin ich etwa ein Egoist, weil ich verliebt bin? Bin ich etwa ein Narzisst, weil ich Dich neben mir sehen möchte? Bin ich etwa emotional abhängig, weil ich nicht von Dir loskomme? Toll, jetzt nutze ich schon Anaphern, um Dich eventuell begeistern zu können. Aber ich will Dich nicht beeindrucken, mich anders vor Dir darstellen – ich will, dass Du nur mich siehst. Mein verrücktes ‚ich’, mein trauriges ‚ich’, mein witziges ‚ich’, eben mein ‚ich’... toll, jetzt sind es Epiphern. (Ich gebe zu, es sind schon nette, rhetorische Mittel.)
‚Ach Jasmin’, wie oft dachte ich dies an Nächten, an denen ich nicht einschlafen konnte. Wie ein immer wieder kehrender Wahn kreisten diese zwei Worte in meinem Verstand. Verwirrten ihn, ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Wie ein Jojo spielen sich die Gedanken auf und ab. Kein Ende in Sicht. Wie soll ich das beenden? Was kann ich tun, um Dich endlich zu mir hinzureißen? Was soll ich tun? Wie kann ich meine Liebe, wenn ich das mal so hier nennen darf, beweisen? So verschieden sind wir doch gar nicht. Was hält Dich auf, was hält Dich bei Melvin? Es kann nicht Dein Ernst sein, dass Ruhm und Erfolg Deine Prämissen für eine zukünftige Heirat sein können. Das kannst Du mir nicht erzählen. Ist es nur meine gefühlskalte Schulter? Oh, Jasmin, wenn Du nur einen Seelenspiegel hättest, um mein Innerstes sehen zu können, dann würdest Du nicht mehr so denken.
Mir wird gerade bewusst, dass ich sehr viele Fragen stelle. Aber werde ich auch eine Antwort von Dir erhalten? Lass mich Dein sein, lass mich Dich und gleichzeitig mich wieder spüren. Ist das zuviel verlangt?
Nun soll auch der ewigen, rhetorischen Fragen Ende sein... Bitte antworte mir. Bitte! Wie ich Dir noch hinterher rief: ‚Du bist mir eine Antwort schuldig’. Sehe dies nicht als eine Forderung, sondern eher als eine Bitte und emotionale Entlastung meiner Seele. Lasse mich nicht länger leiden und werde Dir Deiner Gefühle bewusst, trotz Melvins Antrag.
Ich weiß, das kommt nicht romantisch herüber, aber ich glaube, Du bist die einzige Frau für mich, mein ungewollter Schutzengel... In diesem Sinne, ich liebe Dich.
Dein Marvin
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