Termine
Marvin & Friends
Marvin on Mono
Supported by...
Presse
andere
Lesen gehört
Gallerie
Wallpaper
e-Shop
NEWSletter
Impressum

Gesagt, getan. Ich gehe nun zu Jasmin und werde mich mehr oder minder bei ihr entschuldigen.
Auch Fred ist schnellen Weges und wir verabschieden uns nur noch winkend.
Zwei Bahnen später stehe ich vor Jasmins Haustür. Mein Herz rast. Besonders mein Ego kämpft gegen die Motorik an, die Klingel zu drücken.
Schnell zünde ich mir eine Zigarette an und überlege. Wie ein kleiner Taschentiger laufe ich vor Jasmins Haustür auf und ab, kann keinen klaren Gedanken fassen.
„So schlimm kann es nicht werden“, sage ich mir innerlich. Aber mein Puls pocht mir da etwas ganz anderes.
„So schlimm kann es ganz und gar nicht werden“, sage ich mir immer wieder und die Zigarette verbrennt mir zwei Fingerkuppen. Wunderlich erkenne ich, wie schnell Zeit in kognitiven Dissonanzen vergehen kann.
„Okay, tief durchatmen und durch“, sage ich laut, schüttele mich wie ein Boxer vor seinem großen Kampf und schlage den Klingelknopf mit meinem verbrannten Zeigefinger k.o.
Keiner öffnet. Na, das macht nichts. Leider aber dann:
„Hallo? Wer ist da?“
„Äh, ja, äh-hm, Marvin so.“
„Aha. Und jetzt?“
„Reinlassen? Es ist schweinekalt hier.“
„Also wie dein Inneres, he?“
„Jetzt lasse bitte die Metaphern. Ich frier mir hier unten den...“
Mööööp, erklingt es und die Tür lässt sich öffnen. Was ich nicht wusste, ist, dass Jasmin im vierten Stock wohnt.
Außer Atem erreiche ich endlich ihre Wohnungstür, die offen steht.
„Äh-chäää, chäää, Scheißtreppen. Puh, ich muss mit dem Rauchen aufhören, chäää“ Ich finde Jasmin nicht und ich bin auch noch nie bei ihr gewesen. So rufe ich:
„Wo... chää (hust), wo bist du denn?“
„In der Küche!“
„Schön, und wo ist die?“
„Wo ich eben sitze!“
Wie ich das hasse. Als ob man sich sofort in Wohnungen auskennen müsste. Es gibt ja auch nur einen Wohnungsschnitt auf der ganzen Welt. Ich Dummerchen, natürlich weiß ich, wo die Küche ist.
Nach dem Finden der Toilette, des Schlafzimmer, der zweiten Toilette und endlich der Küche, sehe ich Jasmin am Küchentisch sitzen.
„Hast die Küche endlich gefunden?“
„Und alles andere. Schöne Einrichtung. Besonders gut hat mir das Schlafzimmer gefallen.“
Jasmin mustert mich.
„Nein, oh Gott, so meinte ich das nicht. Ich bewundere nur den Stil deines Bettes.“
Ich gebe zu, das bringt mich kein Stück weiter.
„Also, das Bett, ich persönlich habe ein normales. Als Kind hatte ich sogar nur ein 90cm-Bett und bei dir können ja fast drei Personen schlafen.“
Jasmin schaut mich weiterhin entgeistert an, kann sich aber ein Schmunzeln nicht verkneifen.
„Also mit dem Dreier, oh Gott, nein, also die Größe deines Bettes ist echt...“
„Mein Güte, kannst du dich wunderbar hineinreiten. Man muss dich nur einfach anschauen und du fängst an zu labern.“ Jasmin lacht.
„Ist so eine Macke, tut mir leid.“
„Dir sollte lieber etwas anderes leid tun.“
Ich verstehe natürlich sofort ihre Anspielung und verknüpfe:
„Cool, dann ist ja alles wieder gut. Komm her, Hase!“
Als ich auf Jasmin zugehe, verschränkt sie alle Glieder und meint ernst:
„Nicht so schnell, mein Lieber. Du hast mich sehr verletzt. Das steckt immer noch in den Knochen.“
„Hm“, sage ich überlegend, „wie lange brauchst du circa, damit alles wieder heilt?“
„Mein Gott, Marv, du bist heute wieder extra-vagant. Ein Wunder, dass du es überhaupt einmal geschafft hast, eine Frau bei dir zu halten.“
„Stimmt. Tut mir erneut leid.“ Ich halte inne. „Okay, bist du jetzt fertig? Alles wieder okay?“
„Nein, mein Herr. Eben nicht. Im Gegenteil, du machst es noch schlimmer.“
„Viele wie viele Tage schlimmer? Ich könnte dich dann einfach anrufen und wir verabreden uns.“
„Du kriegst echt nichts mit, oder? Ich bin keine Maschine oder ein Charakter aus deinen Geschichten, mit denen zu herumspringen kannst, wie der Schöpfer es mag. Ich wollte dich ehrlich.“
„Ganz ehrlich?“, frage ich mit einem Dackelblick gekoppelt mit dem Schuljungenverhalten.
„Ja. Aber dein Verhalten zeigt mir, dass du im Moment nicht bereit für eine Beziehung bist. Zu viele Probleme hast du noch zu bewältigen. Komme doch erst einmal ins Reine mit DIR und dann werde ich auf dich warten.“
„Moooment, du wirst so lange auf mich warten? So einen Schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört. Wie lange denn? Soll ich etwa eine Beziehungstherapie für sechs Monate absolvieren und DU wirst so lange auf mich warten? Ach komm schon, das glaubst du doch selbst nicht?“
Tja, Herr Vascandu, da hat Ihr Ego gesprochen und zum Bedauern das vollkommene Falsche, denn Jasmins Stimme erhält einen gewissen Ernst in der Stimme:
„Du hast recht. Das war’s, Marv. Jetzt kannst du dir selbst auf die Schulter klopfen. Bitte geh einfach nur noch und lasse mich zufrieden.“
Ich tappse von einem Bein auf das andere.
„Geh endlich“, sagt Jasmin lauter.
Ich drehe mich um und suche die Haustür.
Vor der Haustür zünde ich mir eine Zigarette an und resümiere das Geschehene. Optimal schaut anders aus, das ist mir klar.
Ich schaue hoch zum vierten Stock und denke „Schade“, aber ich bin jung, agil, lebenslustig...
Und einsam – wieder einmal.

Plötzlich rappelt mein Handy in der Jackentasche. Eine SMS von Fred: „Habe mit Mona alles geklärt. Bin total glücklich. Sms mal, wie es bei dir lief. Fred“
Ich schreibe zurück: „ESEL: Ego, Selbstsüchtige Emotionen, Lonelyness – ESEL“


31 .:. Tanja & ihr Verkupplungspech <

29 .:. Das ESEL-Prinzip >

Startseite