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Es läuft laute Musik in meinem Wohnzimmer und ich tanze lustig, wie ich bin, in diesem kleinen Raum herum, während ich dabei mein Wohnzimmer putze. Heute ist ein wundervoller Tag, obwohl es regnet, aber ich mache das Beste daraus. Heute ist nach langer Zeit ein freier Tag und das Putzen ist nach langer Zeit wirklich wieder dran gewesen. Überall diese Wollmäuse und Staubschichten - einfach unschön.
Nach einer Stunde klingelt mein Telefon und ich melde mich mit meinem Namen. "Hallo Marv", schluchzt es aus dem anderen Ende der Leitung, "kann ich vorbeikommen?" Spontan antworte ich: "Ja klar!" Jedoch weiß ich nicht, wer mich überhaupt angerufen hat. Ich weiß nur, dass die Stimme weiblich gewesen ist. Egal, heute ist ein schöner Tag und ein bisschen soziale Kontakte können den Tag nur ergänzen.
Nach einer weiteren Stunde schellt es und ich öffne, wie immer, die Tür. Jasmin stolpert die Treppe hoch und ihr Gesicht sieht verweint und verbraucht aus. "Hallo, äh, Jasmin." Ohne eine Wort zu sagen, nimmt mich Jasmin in den Arm und weint: "Ich kann nicht mehr. Was soll ich tun?" Ich stehe nur starr da und würde auch gerne den roten Faden in die Hand bekommen, aber er könnte genauso gut grün oder blau sein - wo ist der rote Faden überhaupt? "Worum geht es denn", frage ich und Jasmin drückt sich noch fester an mich und bekommt kein einziges Wort heraus. Mein Gott, mein kleiner Engel, es schmerzt mir in der Seele, sie sehen müssen. Ich drücke sie langsam von mir weg, schaue sie beruhigend an und frage erneut: "Worum geht es denn?" Jasmin zieht mich in mein Wohnzimmer und wir setzen uns auf die Couch. "Taschentücher, frage ich. "Ach, es geht schon", und sie lässt dieses nasehochziehende Geräusch ertönen. "Ich glaube nicht", meine ich angeekelt und besorge Taschentücher. Als ich wieder auf der Couch, mit zwei Packungen Taschentücher, sitze, fängt sie an zu erzählen: "Er ist ein so ein Schwein!" Ich zähle Eins und Eins zusammen, denn ‚Er' kann nur ihr Freund sein. "Wieso, worum geht es denn?" Ich komme mir schon wie eine Schallplatte mit Sprung vor. Jasmin hält inne, schaut mich intensiv an, so dass ich ihre funkelnden, blauen Augen bewundern kann und sagt: "Ich war doch gestern auf dem Geburtstag seiner Mutter, oder?" "Ja, genau, war das wirklich gestern?" "Du hattest an dem Tag einen Ziegel auf den Kopf bekommen!" Ich erinnere mich wieder. "Ach ja, der Tag." "Als ich angekommen bin, machte seine Mutter die Tür auf und begrüßte mich herzlich." "Ja, ich doch super", sage ich, da ich darin nicht das Problem erkenne. "Es geht doch noch weiter." "Oh!" "Ich kam also herein und seine Mutter stellte mich als seine Freundin vor." "Ja, das ist doch auch super." Ich komme wirklich nicht hinter das Geheimnis des Problems. "Nur als Freundin, Marv, als seine gute Freundin!" Jetzt ist es angekommen. "Oh, Du bist doch sicherlich zu ihm hingegangen und hast ihm einen Kuss gegeben, oder? Wie man das eben so macht." "Ich wollte, aber er schob mich zur Seite und flüsterte nur, dass es jetzt unpassend sei." "Und wieso?" "Es kam heraus, dass seine Eltern noch nicht einmal wussten, dass wir ein Paar sind. Er hatte mich den ganzen Abend verleugnet." Ich bin mundtot und überlege. Ich betrachte Jasmin aus der Sicht der Frage: Inwiefern könnte man sich für sie schämen. Ich finde aber keinen Grund, also schaue ich umso schockierter. "Genau so habe ich auch geschaut." "Was hast Du dann getan", frage ich interessiert, da es mittlerweile spannend wird, denn es gibt als Single nichts Schöneres als den Beziehungsstress von anderen zu hören, den man nicht hat, um sich immer wieder belügen zu können, wie schön es doch sei, keine Beziehung zu haben. (Sic!) "Ich bin einfach gegangen." "Aber er versuchte Dich aufzuhalten?" "Nein!" "Nein?" "N-e-i-n", Jasmin weint fürchterlich und ich nehme sie in den Arm und rieche ihr wundervoll duftenden Haar. "Dabei passte er so gut zu mir." Es ist soweit, Jasmin ist ja nun irgendwie wieder frei und ich beginne mit einer gefühlvollen Rede: "Ja und nein, man hat gewisse Vorstellungen und denkt, dass es passen könnte. Aber man versucht die Menschen, die man kennt, in die Schablone der eigenen Vorstellungen zu pressen, weil man keine anderen Menschen, oder bei Dir vielleicht Männer, kennt. Natürlich wird Dir kein Kerl einen Zettel zustecken, in dem steht, dass er Dich mag. Aber eine Initiative, die von einem Mann ausgeht, dezent und nicht billig, die ist schon etwas wert. Du kannst also davon ausgehen, dass es irgendwo einen Kerl geben, der Deinen Vorstellungen viel besser entspricht, Du ihn aber noch nicht gefunden hast." Ich denke da an mich, zum Beispiel. "Du hast mir mal erzählt, was Dir an ihm nicht gefällt. Was wäre denn, wenn Du, während Du mit ihm zusammen wärst, dann jemanden treffen würdest, der besser in Deine Schablone passt? Was nutzt es, einen Freund, gar eine Beziehung mit ihm zu haben, wenn Du nicht glücklich bist, weil die Schablone doch nicht so ganz passt? Du hast eben Deine Schablone: er hat gut da hinein gepasst, weil Du ihn da hinein gepresst hast, mit vielen Kompromissen, da Du Dir eine Chance ausgemalt hast und motiviert warst, sie zu bekommen, im Wettbewerb mit anderen Frauen. In Wirklichkeit geht es aber nicht um ihn, sondern um Dein Ego!" Jasmin wird immer kleiner, klebt aber an meinen Lippen. "Natürlich ist jede Beziehung ein Risiko. Einerseits hast Du keinen Freund mehr, falls es nun wirklich aus sein sollte, andererseits kein Risiko ihn zu verlieren, da es sich vielleicht als eine Nichtigkeit darstellen wird. Erinnere Dich, wie schlecht es Dir ging als Du Deinen letzen Freund verloren hast. Lerne lieber aus den Beziehungen, die Du geführt hast." "Was für ein Risiko meinst Du denn", fragt Jasmin mittlerweile unsicher. "Das Risiko, den Freund wieder zu verlieren. Risiko, Streit zu haben. Risiko, etwas falsch zu machen. Risiko, Schluss machen zu wollen und es nicht zu können. Risiko, sich zu viel gefallen zu lassen. Risiko, sich in der Person zu irren und mehrere Jahre mit ihm zusammen zu leben... oder noch länger! Weißt Du, es ist nicht schlimm, wenn jemand irgendwann nicht mehr ganz in die eigene Schablone passt. Aber er sollte zumindest am Anfang in die Schablone gepasst haben. Sonst fragst Du Dich Dein ganzes Leben lang: Habe ich den richtigen Mann gewählt, es hat doch nie wirklich gepasst. Hatte es einmal gepasst, hast du wenigstens die Erinnerung!"
Ich wache aus meinem Redefieber auf und Jasmin schaut mich mit offenem Mund an: "Ich habe Dir nie solche Gedanken zugetraut!" "Ich mir auch nicht", antworte ich verwundert. "Jasmin, bitte lasse ihn sausen. Du brauchst jemanden, der zu Dir steht." Sie lächelt endlich wieder und antwortet: "Dich vielleicht?" Plötzlich zieht sich mein Bauch zusammen und ich kenne die Antwort, seitdem ich Jasmin kenne, aber ich bekomme keinen Ton heraus - ich schäme mich, ihr meine Gefühle zu offenbaren. Jasmin schaut mich aber ohne ein Wort zu sagen weiterhin an und ich bekomme das Gefühl, dass ihr Blick den Grund meiner Seele berührt. "Marvin, stehst DU hinter mir?" Ich blicke weg und sage: "Ich... ich weiß es nicht genau." Ich lasse meinen Kopf hängen und möchte vor Feigheit weinen. Jasmin steht auf und verlässt meine Wohnung, doch sie bleibt an der Wohnungstür stehen und sagt traurig: "Marvin", und hält inne. Ich schaue hoch und frage aufgeregt, während mein Herz den Höchstschlag erreicht: "Was?" "Es liegt nun in Deiner Hand. Ich sehe diesen Abschied als Tür zur Zukunft", und so geht mein Engel.
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