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Jeder kann ein Lied davon singen, wenn Pärchen einen einladen und man selbst nur einen Kollegen mitbringen darf. Obwohl, was heißt hier nur? Dieser eine Kollege wird die emotionale Stütze für den ganzen Abend sein und macht dasselbe durch. So kommt es, dass ich von einem Pärchen eingeladen werde. Schon die Einladung - eine Karte per Post und zum Ankreuzen mit ‚ich stimme zu' oder ‚ich stimme nicht zu'. Fast wie bei den Fragen einer Marktforschung. Ich weiß, dass ich überhaupt keine Lust habe, dahinzugehen, aber wenn es auch noch gute Freunde sind, zumindest Tom ein guter Freund ist, so prügelt einen die Freundschaftsmoral solange bis man sich freiwillig ergibt. Ich nehme also meinen Freund Fred mit und er meckert schon den ganzen Hinweg. Bei dem Pärchen angekommen, begrüßen uns beide an der Tür, beten uns herein und führen uns zärtlich in das mollige Wohnzimmer. Fred und ich erstarren, denn bis jetzt sitzen nur Pärchen auf der Couch und winken uns zu. Wir winken zurück. Fred dreht sich auf seinen Versen herum und fragt Tom, ob Bier da sei. Ich dackele Fred hinterher - mit der gleichen Intention. Tom darauf: "Oh Fred, wir sind eher Weintrinker. Aber ich müsste noch eines haben! Schaut mal in der Küche. Ich gehe mal zu ‚ihr' ." Fred und ich schauen uns an. Wir wissen, dass jetzt nur der Schnellste und Stärkste das Bier bekommen wird. Wir sprinten los, Fred öffnet den Kühlschrank - da steht es: e i n kühles Blondes. Gleichzeitig erreichen wir die Flasche. Wir haben nun sichtlich ein Problem. Keiner will teilen. Mein Gott, den ganzen Abend nur Wein. Wir starten einen Kompromiss. "Ok, Marvin, das Bier gehört mir. Das bist Du mir schuldig! Ich bin nur deinethalber mitgekommen." Wieder prügelt mich meine Freundschaftsmoral. Ja gut, Fred hat wirklich recht. Was soll's?!
Fred schenkt sich das Bier ein und wir fragen uns, warum die meisten Pärchen plötzlich zu Weintrinkern mutieren. Wir kennen ‚ihn' noch aus alten Zeiten, wo wir unser Herrengedeck bestellt haben. Warum jetzt plötzlich Wein? Fred fragt mich: "Seit wann trinkt Tom Wein?" "Keine Ahnung. Aber es sieht echt gut aus, wie er es hält. Schön am Glasstiel, das Glas schwenkend - das hat was!" Fred verdutzt ein bisschen: "Hey Marv, würdest Du auch plötzlich Wein trinken, wenn Du eine Freundin hast?" "Keine Ahnung, ich trinke nur Bier." "Genau das meine ich, Marv. Von heute auf morgen würdest Du doch nicht Dein Lieblingsgetränk ändern, oder doch?" Ich spürte Freds Angst, mich irgendwann als Biertrinker zu verlieren. "Fred, sagen wir es so: wenn meine ‚sie' mit einer guten Flasche Wein ankäme....probieren geht über studieren." "Schwachmat!" "Bitte was, Fred?" "Schwachmat. Du würdest doch genauso werden, wie allen anderen ‚Toms' auch. Gerade Du. Philosophiert über Pärchen, über das alberne Verliebsein - aber am Ende bist Du nur ein Zombie der Liebe. Schwachmat!" Mir wurde wieder bewusst, wie direkt Fred doch sein kann. "Mein Gott Fred, wir sind doch nicht zusammen. Du benimmst dich wie eine ‚sie'." "Auch Männerfreundschaften sind Beziehungen und wir haben eine, ob Du es willst oder nicht! Auch ich habe Gefühle..." Das muss ein Albtraum sein. "Also Fred, ich meine, Du bist für mich halt ... äh soo....ok, Du und ich....". "Freeeed? Maaaarvin? Ach, ihr seid immer noch in der Küche? Kommt doch zu uns!" Puh, noch ´mal Glück gehabt.
Wir setzen uns zu den anderen hin. Wir sprechen über Gott und die Welt. Doch dann kommen Themen, mit denen wir uns nicht auskennen, denn Pärchen unter sich kennen wiederum Pärchen, die wir nicht kennen - und so geht es los. "Habt ihr schon gehört. Stefan und Petra sind nicht mehr zusammen? Dabei passten sie doch so gut zueinander." Alle Pärchen waren schockiert und eine Trauerminute wird eingelegt. Danach kommt das Thema ‚Zukunftsplanung'. "Wann wollt ihr denn mal heiraten? Ihr seid doch schon so lange zusammen!" "Ach, wisst ihr... wir wollen noch ein bisschen warten." Und so weiter und so weiter. Als alle Pärchenthemen durch sind, geraten wir in den Spotlight der Diskussion. Das Thema muss noch auf den Tisch, ob wir es wollen oder nicht. "Und Fred, Marvin, wo sind denn Eure Freundinnen?" Fred schaut spöttisch in die Augen des Fragenden und ich muss mir mein Grinsen vermeiden. "Ach meine ‚sie' lebt noch in meinen Träumen." Wirklich souverän gelöst. "Und Du, Marvin?" Mist. "Och, weißt Du, das ist so eine Sache", meine ich, hoffend, dass damit das Thema erledigt sei. "Aha aha, Du hast also eine Affäre oder etwas am Laufen?" und er zwinkert mir erhaben zu. Ok, meine Antwort ist wirklich dämlich und nicht befriedigend. "Das ist halt so ein Ding, ne!" Naja, besser als gar nichts zu sagen. "Hey Marvin, sag es ruhig." Auch Fred macht sich einen Spaß daraus: "Komm Marv, drück' nicht so ´rum. Sag es ruhig", und gibt mir einen kleinen Stoss in die Seiten. Eine Verschwörung ist im Gange - zwar ungewollt, aber im Gange. Als ich gerade Luft hole, um meine Antwort zu geben, fällt mir Fred ins Wort, das noch gar nicht vorhanden ist. "Marv, ist ein richtiger Womanizer. Er hat drei Mädels am Laufen. Er ist das Alphamännchen der Singlewelt!" Die Pärchen wechseln sofort ihre Sympathie in Antipathie. "Was? Fred, das ist aber nicht..." Fred ergänzt dreist meinen Satz: "...richtig. Ich weiß. Ok, es sind vier Mädels." Ich trat mit voller Kraft auf Freds Fuß. "Aua, es sind fünf!" Noch ein Tritt. "Aua Marv, ok, ich wollte es nicht sagen, aber es sind sechs." Es ist sinnlos. Jeder Fußtritt erhöht nur die Anzahl meiner imaginären Freundinnen und senkt den Marvin-Sympathiepegel.
Tom schaut mich ernst an und sagt mit ruhiger Stimme zu mir: "Marvin, das ist nicht nett von Dir." Ich gebe einfach auf. Was soll´s? "Ich weiß. Aber ich kann nicht anders. Es gibt so viele schöne Frauen auf der Welt." Ich könnte mich selber für diesen Spruch schlagen. "Marvin, schaue uns an. Wir haben uns gefunden und sind glücklich. Für uns gibt es nur die eine Person. Aber was Du da treibst, Marvin, das ist eine Schweinerei, ehrlich." Bis zum Ende des Abends muss ich mir Moralpredigten über mein angebliches Verhalten anhören. Tipps und Tricks für eine monogame Beziehung. Es ist die Hölle auf Erden. Nur einer hat Spaß - und das ist mein bester Freund Fred.
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