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Marvin & Friends
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Es ist ja auch immer dasselbe. Der männliche Freundeskreis schwindet immer mehr zu einem Punkt von einer Person, wenn Frauen die Männerkaserne betreten.
So kommt es, dass nur Tom und ich als glückliche Singles übrig geblieben sind und mit der Situation recht zufrieden sind.
Denn wenn wir uns mit Freunden und ihren weiblichen Anhängseln treffen, so stellen wir immer wieder fest, was wir uns alles mehr erlauben können, unsere Freunde hingegen, in Gegenwart ihrer besseren Hälfte, aber leider nicht.
Es fängt schon damit an, dass man als Pärchen immer zu zweit einen Raum betreten muss, wobei die Hände ineinander verschlungen sind und liebevolle Blicke alle fünf Sekunden zum Partner herüberschweifen, gefolgt von einem zärtlich Kuss.
Und, um Gotteswillen, wenn er das einmal vergisst, dann gibt es einen Ärger, der sich gewaschen hat.

Nun gut, Tom und ich treffen uns einen Abend mit Jenny und Sascha in unserer Stammkneipe.
Tom und ich sind etwas früher da, kennen Jenny noch nicht und machten unser wie-sieht-sie-wohl-aus-&-wie-sie-wohl-drauf-sein-könnte-Spielchen.
Nach einer gewissen Verspätung von Sascha und Jenny, sind die beiden Turteltauben endlich angekommen und schweben förmlich in die Kneipe herein. Die Blicke voneinander nicht lassend.
Tom beugt sich zu mir herüber: "Hey Marvin, ein Wunder, dass sich die beiden nicht an einer einzigen Tischkante stoßen, so wie die beiden schweben."
Ich lächele nur zurück, denn nach drei Minuten, kommen die beiden endlich an unseren Tisch.
"Hi Tom, hi Marvin, darf ich vorstellen, meine neue Freundin Jenny", begrüßt uns Sascha, wobei er den Namen ´Jenny´ fast hervorseufzte.
Jenny nickt uns gnädig zu und setzt sich mit einem unbehaglichen Wohlbefinden zu uns hin.
Ach so, Madame nickt nur. Ich stoße Tom an: "Vielleicht ist sie ja stumm?"
Im nächsten Augenblick kommt eine Kellnerin zu uns heran: "Was darf ich Euch Gutes tun?"
Tom: "Herrengedeck!"
Ich: "Herrengedeck!"
Jenny: "Ein kleines Wasser, ohne Kohlensäure, bitte!"
Sascha: "Ein Herr ---!"
"Öhöm", kommt von Jennies Seite.
Saschas nächster Versuch: "Ein Bie....!"
"Öhöm, öhöm!"
Dritter Versuch und alle guten Dinge sind bekanntlich drei: "Ich nehme auch ein Wasser!"
"Ohne Kohlensäure?", fragt die Kellnerin höflich.
"Ja, bitte!" Kellnerin lächelt, Sascha bedankt sich und lächelt zurück.
Just in diesem Moment dreht sich Jenny schlagartig von Sascha weg, überschlägt ihre Beine und starrt förmlich in Richtung Toilettentür. Ich weiß, jetzt geht es los. (Bitte zurücklehnen und genießen.)
Sascha: "Was ist denn?"
"Nichts, ich freue mich wirklich Dich mal wieder zu sehen. Wie läuft es bei Dir?"
"Nicht Du Marvin!" Ich zuckt entschuldigend mit den Achseln.
"Tut mir leid, habe gedacht, dass Du mit mir spricht. Immerhin haben wir ja letztes Mal..... "
Saschas Blick entpuppt sich mir gegenüber als Fegefeuer: "Maaarrrrvviiinn!!!!"
Sascha dreht sich zu Jenny: "Schatz, Hase, Mäuschen, was ist los?"
Jenny bewegt sich kein Stück und antwortete: "Geh doch zu der Kellnerin. Die lächelt ja so schön!"
"Da hat sie wirklich recht!"
"Tom, Marvin, ich will nichts mehr hören!"
"Der Häuptling hat gesprochen. Hau! Squaw muss mit heißem Blick aufgewärmt werden", antwortet Tom mit einer unglaublich gut gespielten Apachenstimme.
"Toooom, verdammt noch mal, das ist purer Ernst hier!"
"Ich find es lustig", werfe ich ein.
In einem Fegefeuer der Leidenschaft schreit Jenny los: "Was soll das alles? Dann geh doch gleich fremd."
Sascha ist perplex und bleibt ruhig und legt einen seidigen, liebevollen Schal auf seine Stimme:
"Sie ist nur die Kellnerin. Sie bedeutet mir nichts. Ich habe doch auch ein Wasser bestellt. Ich liebe nur Dich, ehrlich."
"Ehrlich?"
"Aber natürlich, Putzelmäuschen, du bist die einzige."
Sofort wird der Racheengel zu einer zarten Brieftaube, schaut mit einem verliebten Blick in Saschas Augen, küsst ihn zärtlich und flüstert: "´tschuldigung!"
Somit ist die Angelegenheit geklärt. Gott sei Dank, denn die beiden sind mittlerweile der Showact in der Kneipe gewesen.

So nimmt der Abend seinen Lauf und wir unterhalten uns wie immer. Damit meine ich Tom und mich.
Sascha und Jenny sind auf Wolke 7 und da Tom und ich sehr faule Menschen sind und keine guten Wolkenkratzer abgeben, lassen wir die beiden einfach auf ihrem Liebesplaneten.
Mitten in einer Diskussion zwischen Tom und mir und unserem dritten Herrengedeck, kommt aus dem Nichts eine Blondine auf uns vier zu. Tom zieht die Augenbrauen hoch und ist sofort begeistert.
Ich lasse ihn kurz in seiner Welt, ...aber die Blondine kommt ja wirklich immer näher auf uns zu.
Da springt doch Jenny wie ein Jeck auf und küsst die Blondine auf beide Wangen.
"Eva! Hast es doch noch geschafft? Ist echt super!"
Aus Tom sprudelt nur: "Hallo Eva, wie geht es Dir! Woher kennt ihr Euch? Was machst Du so?....uff" Ich gebe Tom einen kleinen Rippenstoss mit meinem Ellebogen. Er macht mir wirklich Angst. In weniger als acht Sekunden zeigt mir Tom zuviel Interesse - für diese ‚E v a'.
Wie sollt es anders sein, Eva und Tom verstehen sich prächtig.
Ich bin ab da an das legendäre, fünfte Rad am Kneipentisch gewesen:
Jenny kuschelt mit Sascha, Tom diskutiert mit vollem Elan mit Eva und ich fange an mit meinem sechsten Herrengedeck zu sprechen.
Ich brauche nicht länger ausführlich zu werden. Eva und Tom werden ein Paar, Jenny und Sascha sind immer noch ein Paar und ich bin immer noch Single.

Die nächsten Treffen sind Pärchenabende, und wenn die Vier Mitleid mit mir haben, so rufen sie mich an und fragen, ob ich nicht Lust hätte etwas zu unternehmen, zu dritt oder zu fünft selbstverständlich.
Es ist die absolute Hölle. Man spricht über "Weißt Du noch, wie wir uns fanden?" Und jedes Mal, aber wirklich jedes Mal, muss Jenny darauf sagen: "Ja, nur durch mich, ne?"
Toll, super, großes Tennis. Stellt Euch einfach vor, ich sei gar nicht da.
Weiter geht es mit gegenseitigem Abfragen von kleinen Beziehungsproblemen. So etwas fängt grundsätzlich mit ´hasst du es auch, wenn er/sie dies und das machen?'
Ja, ich bitte Euch. Wie solle ich mich denn da einbringen können. Oder genau das Gegenteil: ‚liebst Du es auch, wenn er/sie....' und dann wird getuschelt!
Soll ich da etwa ‚klar, das hat sie bei mir total gerne gemacht´ sagen?

Nehmen wir mal den einen Besuch im Kino mit Tom und Eva.
Da reservierten Tom und Eva drei Karten für uns. Ein ganz toller Film, genau mein Ding - Action, Knarren, guter Bulle, böser Bulle.
Nun gut, Tom und Eva ließen sich sogar dazu überreden in diesen Film zu gehen, aber die beiden reservierten sich einen "Paarplatz" und ich durfte eine Reihe über ihnen sitzen.
Was ein Paarplatz ist? Das wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht. Man stelle sich zwei Kinositze nebeneinander vor, nur dass die Lehne fehlt.
Man kam sich ja so einsam vor, wenn man alleine im Kino saß und doch wusste, dass der Freund genau vor einem saß.
Ich hatte schon Leute hinter mir flüstern gehört: "Schau mal, der Arme, ist ganz alleine hier. Hat wohl keine Freunde!"
Ich stand sogar ab und zu von meinem Sitz auf und tat einfach so, als ob ich auf jemanden warten würde und ließ meinen Blick einfach von der rechten, vorderen Ecke bis zur linken vorderen Ecke des Kinos wandern.
Ich ging sogar zur mehrmals Toilette, obwohl ich mich hätte gar nicht erleichtern müssen, nur um wieder auf meinen alten Platz zu zugehen und um etwas lauter sagen zu können: "Ist er immer noch nicht da? Mann, mann, mann!"
Davon bekamen Tom und Eva natürlich gar nichts mit.

Circa drei Monate später entscheiden sich Eva und Tom gemeinsam in den Urlaub zu fahren - Griechenland soll es sein.
Eine Woche romantisches Ambiente. Warum auch nicht? Ein Pärchen weniger und Sascha meldet sich mittlerweile fast gar nicht mehr. (Ich habe die Befürchtung, dass die zwei ineinander festhängen und sich nicht mehr auf natürliche Weise lösen können.)
Als Tom und Eva aus dem Urlaub kommt, ruft Tom bei mir an: "Hey Marvin, was geht?"
"Nicht viel! Ich habe angefangen zu ..."
Tom unterbricht mich sofort: "Schön zu hören. Wir haben sechs 36er Fotofilme vollgeschossen. Du musst am Samstag zu uns kommen. Wir wollen Dir die Fotos zeigen."
Ich verharre bei ´zu uns kommen???´ Der Rest war egal.
"Äh Tom? Wie ´zu uns´?"
"Ja, halt zu Eva."
"Also Samstag. Wie viel Uhr?"
"So gegen zwanzig Uhr", hastet Tom und im Hintergrund höre ich schon Evas Stimme, wie sie Toms Namen ruft.
Gut, denke ich mir innerlich. Heute ist erst Donnerstag. Lass Dir etwas einfallen. Du musst nicht dahin. Denk nach! Denk nach!
Die Idee: ich muss weg, und zwar, und zwar...Mist, mir fällt auch einfach nichts ein.
Ich bringe mich um meine Gedanken bis Samstag, 19 Uhr. Schade, zu spät.
Na gut, es sind Photos. Da kann man eh einfach durchblättern und Tom kennt mich. Er weiß, dass mir Fotos nie soviel sagen. Genau so mache ich es - je schneller ich durchschaue, um so eher kann ich verschwinden.
Samstag, 20 Uhr, ich klingele an Evas Tür. Aber Tom macht die Tür auf. (Das ist schon fast logisch, oder?)
"Hey!"
"Hey!" Tom bittet mich herein, Eva grüßt kurz und versucht eine schöne Stimmung zu schaffen, indem im Wohnzimmer ein Flasche Rotwein steht, Kerzenlichter leuchten und die Kissen auf der Couch richtig durchgeschüttelt werden.
"Marvin, komm' mal in die Küche. Evvaaaaa, ich bin mit Marvin in der Küche!!!"
(Warum sagt er das? So groß ist ihre Wohnung auch nicht. Würde sie tatsächlich 50 qm panisch nach uns durchsuchen?)
"Ja Schatz, hab´ dich lieb!"
"Ich Dich auch!"
"Ich Dich mehr!"
"Nein, ich dich mehr!"
Das muss aufhören. Ich breche diese Endlosschleife mit lauter Stimme ab:
"Können wir endlich in die Küche, TOM?!"
Nach einem endlosen Weg in die Küche, schaut mir Tom ernst in die Augen: "Marvin, ich weiß, Du hältst nichts von Fotos. Aber Eva macht es sehr traurig, wenn man nicht ihr feuriges Interesse teilt."
"Das heißt...?"
"Sei interessiert. Außerdem, warst du schon einmal in Griechenland?"
Ich schüttele den Kopf.
"Siehst Du, dann kannst Du auch ein bisschen Interesse zeigen, oder ist das zuviel verlangt?"
Ich zucke mit den Achseln.
"Maarviin, ich warne Dich", zischt er zwischen seinen Zähnen heraus und geht mit einem "Schatz, ich komme jetzt!"
"Ich warte, Bärchen", ertönt es.

Warum bin ich nur so unkreativ im Absagen? Wieso ist mir nichts eingefallen? Verdammt.
Jetzt hat man diese typische Situation, diese gespielte Interesse vorzuheucheln, indem man Fragen stellt, wie "Oh, da ward ihr? Das war Euer Hotel. Tolle Anlage! Ist das der Strand?"
Man kommt sich richtig bescheuert vor.
Natürlich sind sie dort gewesen - deswegen die Fotos.
Natürlich ist das ihr Hotel gewesen. Ich kenne keinen, der die Anlage von einem fremden Hotel fotografiert. Obwohl...?
Und dann diese Frage: Ist das der Strand? Als ob man zum ersten Mal in seinem Leben Sand sehen würde. Das ist so erniedrigend.
Aber es freut die Leute trotzdem, denn egal welche Frage man stellen würde, es kommen immer ein bis fünf Geschichten dazu. Man könnte wahrscheinlich auch Fragen: "Das Bett in Eurem Hotelzimmer, war das von Aldi?"

Es geht los. Ich setze mich auf die Couch. Tom sitzt links neben mir. Dann kommt Eva mit drei dicken Fotoalben an und setzt sich rechts neben mir.
Toll, ganz klasse. Was kann es Schlimmeres geben als Single zwischen einem Pärchen zu sitzen?!
Nun übergibt mir Eva das erste Album und legt es auf meinen Schoss. Gezwungenermaßen schlage ich die erste Seite auf. Wie zu erwarten, fangen mit dem ersten Bild die ersten Geschichten an. Dabei fuchteln die beiden wild auf meinem Schoss mit ihren Fingern herum, um auf klitzekleine Details der Fotos aufmerksam zu machen, die sonst kein menschliches Auge erkennen könnte.
"Hier sind wir entlang gelaufen und haben ein ganz uriges Restaurant gefunden. Und preiswert, nicht Schatz?" Rhetorischer Abklatsch. "Oh ja, siehst Du, Marvin, da, der ganz kleine Mann hinten, das war der Oberkellner!" Ich also, was man von erwartet: "Ehrlich? Das war wirklich der Oberkellner? Ganz schön jung."
Ich muss gestehen, ich sehe nur einen etwas größeren, schwarzen Punkt auf dem Bild. "Kein Witz, Marvin, der Kellner hieß Sava und war sehr nett, oder Schatz? Er war wirklich höflich." Peng, nächster Abklatsch.
Nach ca. 30 Minuten, ewiger Abklatscherei und immer noch bei der ersten Seite will ich endlich umblättern - und ...ich darf sogar. Also werde ich etwas übereifrig und blättere die zweite Seite auch nach 10 Sekunden voller Bewunderung um, obwohl - es überkommt mich ein schlechtes Gewissen.
Ist Eva nun gekränkt? Ist das doch zu schnell? Habe ich für die erste Seite zu viel Interesse gezeigt? Ein Teufelskreis. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie ich mich verhalten soll.
Geplagt von Gewissensbissen verlasse ich mich aber auf eine typische Eigenschaft von Menschen, die ihre Urlaubsfotos zeigen müssen. Falls man nämlich zu schnell für diese Person umblättert, so schreitet die Person sofort ein, blättert zurück und ergänzt die zuletzt erzählte Geschichte, oder man wird vom Umblättern höflich zurückgehalten und es werden weitere Geschichten erzählt, die noch gar nicht erwähnt worden sind.
Ein schnelles Ende soll dieser Abend nicht haben.
Ich sehe Bilder vom Strand, also "Wow, das ist der Strand?"
Ich sehe Bilder vom Hotel, also "Da habt ihr ehrlich gewohnt. Ihr wollt mich auf den Arm nehmen" und charmant lächeln.
Doch dann beim zweiten Fotoalbum kommen die Strandfotos von Tom und Eva.
Tom mit Strohhut am Meer.
Eva sitzt im Sonnenkorb.
Eva liegt im Bikini.
Eva liegt im Bikini???
Da wird meine Aufmerksam gleich größer. Leider merkt das auch Tom und überschlägt die Seiten.
"Tom, was soll das? Ich bin ehrlich hier bei ´EUCH´, um mir die Fotos anzuschauen und Du weißt, wie sehr ich Fotos liebe. Ich interessiere mich dafür und jetzt blätterst Du fünf Seiten einfach weiter?" Dazu ein Dackelblick zu Eva.
Eva stimmt mir voll und ganz zu, und ich stimme auch ihr voll und ganz zu. Fünf Seiten zurück und da ist sie - Eva, wie sie Gott schuf, mit Bikini!
Auch wenn Tom mich am liebsten töten möchte, so sehe ich diese fünf Seiten als psychologisches Schmerzensgeld und der zusätzliche Bonus: seine Freundin ist nun auf meiner Seite.


03 .:. Tom & Eva telefonieren <

05 .:. Marvin - die etwas andere Hilfe >

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