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„Herr Vascandu? In mein Büro, sofort!“ „Ja, Chef!“, sage ich und bin entgeistert. Wenn Cheffe jemanden spontan ins Büro ruft, bedeutet das immer einen Anschiss vom Feinsten. „Setzen Sie sich bitte!“ „Danke“, ich setze mich und mein Plus schlägt 360 Grad. „Herr Vascandu“, sagt mein Chef und blättert durch meinen Lebenslauf und blickt abwechselnd auf mich und wieder auf meine Bewerbung, die mittlerweile ein halbes Jahr alt ist, „wie lange sind Sie schon in meinem Verlag?“ „Seit circa einem halben Jahr. Wieso?“ „Wieso, wieso“, sagt er protzig, „das fragen nur Kleingeister, Herr Vascandu.. Aus ihrem Lebenslauf entnehme ich, dass sie noch nebenbei Wirtschaftswissenschaften studieren. Ist das richtig?“ „Nun, ja nicht nebenbei. Eigentlich hauptsächlich.“ „Ach so ist das? Ich dachte, Sie arbeiten hier mit vollem Herzen in meinem Unternehmen?“ Ich denke ‚nein’, sage aber: „Ja, aber Sie wissen doch, erst eine akademische Basis schaffen und nebenbei seinem Hobby, also Ihrem Unternehmen, nachzugehen.“ Hat jemand bitte ein Alkaselzer für mich? Ich muss mich vor Schleimen eventuell gleich übergeben, aber die Marktsituation treibt mich zu solchen Äußerungen. „Nun, Herr Vascandu, warum ich Sie in mein Büro bat. Ich möchte gerne wissen, wie meine Investitionen bezüglich meines notwendigen Betriebskapitals einen gewissen Gewinn...“ „Ach“, sage ich spontan und schlage mir drei Finger vor meine Stirn, „Sie meinen den ‚Return Of Ivestment’.“ „Na also“, sagt Chef mit hervorstreckenden Armen und einem Lächeln im Gesicht, „geht doch, Herr Vascandu!“ MIST! „Ìch möchte Sie um etwas bitten bzw. was sagen Ihnen Kennzahlen?“ Ich weiss, worauf Cheffe hinaus will und lenke das Thema um: „Nun, in der Fahrschule mussten wir den Bremsweg berechnen. So gesehen, ist dies auch eine Kennzahl.“ „Ach, Sie Kleingeist! Sie weichen mir absichtlich aus. Sie wissen, was ich von Ihnen will.“ Ich kann Cheffe nicht in Augen schauen. „Kommen Sie, Herr Vascandu, ich weiß, Sie können das und müssen es sagen. Ich weiß aus sicheren Quellen, wie sehr Sie dieses Unternehmen verachten.“ Das muss dieser dumme Praktikant von Schleimer erzählt haben. Aber ja, es stimmt auch. Denn nur Artikel zu schreiben, wie ‚Dortmunder Zoo erwartet Einhörner’ oder „Dortmunds Maskottchen Nashörner mit Flügeln existieren nur in Grönland’ frusten mich einfach. Selbst unsere Praktikanten dürfen niveauvollere Artikel schreiben, aber Cheffe meint immer: „Herr Vascandu, in Indien wurden dreihundert Menschen von einer Taube gefressen. Schreiben Sie den Artikel darüber.“ Auch das Argument, auf Firmenkosten nach Indien zu fliegen, da ich a) eh Urlaub bräuchte und b) dies vollkommenen Schwachfug darstellt und gleichzeitig den Beweis dieser naturellen Unsinnigkeit darbieten würde, hat bei Cheffe nie gezogen. Nein, ich muss mir diese Geschichte aus meinen Adern saugen. „Nun“, sage ich, „verachten ist vielleicht ein bisschen zuviel des Guten!“ Cheffe lehnt sich in einen Sessel zurück und fragt: „Nennen Sie mir doch bitte ein paar Vorschläge!“ „Nun, ich würde gerne niveauvollere Artikel schreiben. Und eine Gehaltserhöhung wäre auch nicht...“ „Ach, Sie erinnern mich immer wieder an einen Kleingeist. Ich meine MEIN Unternehmen. Was kann man verbessern?“ „Chef, ich habe keine Zeit für so etwas. Sie kamen gestern mit einem Thema an, worüber ich bis heute noch grübele.“ „Und welches war das bitte?“ „Wollen Sie das wirklich wissen?“ „Ja!“ „Okay, die Überschrift lautete ‚Außerirdische Muster im Kornfeld entdeckt –Aliens geben zu: Wir benutzen es für Brot’.“ Cheffe kratzt sich am Kopf: „Aha, ich bin...“ „Ein Kleingeist?“, frage ich ergänzend. „Ein Genie!“ Nun ja, knapp daneben ist auch vorbei. Ich verdrehe die Augen. „Das habe ich gesehen, Herr Vascandu.“ „Sie wollen Kennziffernterror haben? Bitte schön.“ Ich hole kurz Luft und beginne: „Wir bräuchten endlich mal eine Service-Level-Analyse in Korrelation zu unseren Durchlaufzeiten. Wichtig indes der Free Cash Flow, der Sie am meisten interessieren sollte und immer wieder vernachlässigt wird, von ihrer Intensität in allen Bereich ganz zu schweigen. Schon mal was von Abgrenzungen gehört? Nein? Sehr schade. Aber auch die Completed contract methode ist nicht zu verachten. Während des Baufortschritts - work in process - werden auf den Auftragsnummern, z.B. unseren Lesern, die Kosten gesammelt und in der Bilanz zu den angelaufenen Kostenbeträgen aktiviert. Erst wenn der Contract vollendet ist, wird der Umsatz fakturiert und erscheinen dann die Umsatzerlöse in der Ergebnisrechnung. Soweit der Auftrag einen Deckungsbeitrag enthält über die vorher schon aktivierten Herstellungskosten hinaus, wird dieser erst realisiert bei schlüsselfertiger Übergabe. Dies steht im Gegensatz zur percentage of completion method, aber das ist ja wohl uns allen klar und kaum erwähnenswert. Aber, und das sollten wir beide wissen, es geht um das Erkennen und Benennen. Erkennen ist die Art der Tätigkeit. Ist es eine Aktivität, die verändernd, das zu verkaufende Produkt physisch ausformend, eingesetzt ist? Dann ist diese Aktivität und deren Kosten Bestandteil der Produktkosten. Ist es eine Aktivität, die in einer organisatorischen Maßnahme besteht - z.B. darin, einen Auftrag zusammenzustellen - ist sie mit ihren kostenmäßigen Spiegelbildern Bestandteil der Strukturkosten. Zu Activity Based Cost gehört die Philosophie, von den Aufgaben und den Maßnahmen her zu planen. Soweit ist ABC verwandt mit Zero Base Budgeting. Die Hauptanwendungen sind dort, wo es sich um die weniger faßbaren Sachverhalte handelt, die meist im Rahmen der Strukturkosten angesiedelt sind. Im deutschen Sprachgebrauch kommt Activity Based Cost auch unter der Bezeichnung Prozeßkostenrechnung vor... und bevor ich es vergesse, das Wichtigste...“ Cheffe schaut mich entgeistert an, verzieht sein Gesicht und scheint ‚not amused’. „Herr Vascandu, schicken Sie mal bitte den Herrn Scholze herein!“ „Den Praktikanten?“ „Ja, vielleicht kann er mir weiterhelfen. Übrigens, bis Freitag will ich einen Artikel über ‚Spongebob in Köln gesehen – Meereswesen vertragen doch Luft’ auf meinem Tisch sehen.“
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