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Irgendwo am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Fighterjetplanes steigen auf, um die Mächte des Bösen zu bekämpfen. Double-ya hat recht: Luzifer ist unter uns, unter ihnen. An der Seite des gefallenen Engels wagen sie den Waffengang gegen die freie, westliche, verkommene Welt. Wer ist hier der Wahre der Werte? Die Egomanen, Religionsfanatiker des Westens oder des Ostens? Ein Blitz durchschlägt die Stille. Let's play global-thermo-nuclear-war. Wenn das Wort versagt, weil es eine leere Schallhülle ist, schneidet das Schwert seine Argumente tief ins unbelehrbare Fleisch des apokryphischen Deppen.
"Soll ich, weil's Brauch ist, ein Stück Eisen stecken in das nächste Fleisch oder ins Übernächste; mich dran zu halten, weil die Welt sich dreht? Herr, brich mir das Genick im Sturz von einer Bierbank", spricht Heiner Müller aus dem Nichts, aus der dunklen Wolke zu mir.

Schweißgebadet wache ich auf. Um mich herum eine weggetretene Bettdecke und ich liege außerhalb des Bettes.
"Was für ein wilder Albtraum", denke ich mir und der Schmerz kommt im Nu vom Aufwachen.
Fluchend rubbele ich mir meinen Rücken und steige zurück in mein Bett.
Mit der Taschenlampe leuchte ich auf meinen Wecker auf dem Schreibtisch und erkenne die unglaubliche Zeit von sechs Uhr morgens.
Mürrisch stehe ich auf, denn um sieben will ich eh aufstehen.
Was mein Geist schon begreift, begreift mein Körper noch lange nicht, denn ich schwanke von einem Fuß auf den anderen.
Meine Koordination suchend und meine Festplatte der Erinnerung hochfahrend, tapse ich in meine Küche.
Ich suche verzweifelt meine Kaffeemaschine und sehe sie einfach nicht.
Oh, vielleicht erst einmal Licht anschalten. KLICK! Ah, da ist die Maschine des Wachgebräus. Sehr schön. Wo war noch gleich der Kaffee?
Ich werde stutzig. Wo war noch gleich der Kaffee? WO war DER Kaffee?
Ungläubig schaue ich in eine leere Kaffeedose und mein nächster Rettungsanker-Gedanke ist: "Kaufe neuen Kaffee!"
Dieser Befehl kommt kurz und knapp an.
Ich nehme den Haustürschlüssel und gehe auf die Strasse. Schlürfend gehe ich zum nächsten Supermarkt und sehe, dass kein einziges Licht brennt.
Ich luge durch die Glastür und kein arbeitender Angestellter ist zu sehen.
Was ist das für eine Arbeitsmoral? Von wegen "wir müssten in einer Rezession konsumieren". Wie denn auch, wenn keiner arbeiten mag. Da begibt man sich schon auf die Strassen, um finanzielle Mittel auszugeben und keiner mag sie um sechs Uhr annehmen.
Wenn ich schon um sechs Uhr auf den Beinen bin, kann ich das erst recht von arbeitenden Menschen verlangen - das ist nur pure Fairness, ehrlich. Von wegen Hartz-Reform und so. Ich merke nichts davon. Kein Wunder, warum es uns so schlecht geht. Da sagt uns so ein Herr Müntefering, wir sollen mehr Vertrauen in die neuen Reformen einbringen, aber wenn diese Hartz-Reform eine neue Reform sein soll, dann bekomme ich kein Vertauen, da mein Kaffee nicht zu meinen bestimmten Zeiten zu erlangen ist. Wie kann ich da Vertauen aufbauen? Ich kenne noch nicht einmal diesen Herrn Hartz....

Aber nicht aufregen, dann hole ich mir eben Brötchen, wie jeden Tag.
Hektisch und aufgeregt laufen Menschen jeglicher Art in die Bäckerei hinein und hinaus.
Was für ein Menschen-Tohuwabohu. Kaffee wird hier nicht verkauft, aber Brötchen.
Wenigstens kann man Vertrauen in Brötchen aufbauen. Besser als gar nichts.
Ich betrete den Ladenraum und alle Kunden schauen mich an.
Ich überlege kurz, ob ich jemanden kennen könnte, aber kein Gesicht kommt mir bekannt vor.
Lässig und nickend, gleichzeitig winkend, hole ich mir ein Tablett zum Brötchenauflegen und gehe an die Brötchentheke.
Zwei normale Brötchen, ein Kornbrötchen und ein Schokobrötchen, jetzt bin ich glücklich.
Aber noch glücklicher werde ich, als ich Gabi an der Kasse sehe.
"Guten Morgen, Hase", meine ich entzückt.
"1, 26 bitte."
Ich taste nach meiner Geldbörse und fühle nur einen leichten Fleece-Stoff. Programmatisch fühle ich meine Innentaschen der Jacke ab, obwohl ich unglücklicherweise keine trage.
Ich schaue an mir herunter und merke, dass ich meinen Spiderman-Schlafanzug trage.
Gabi schaut mich ruhig, aber mit einem genervten Blick an und wiederholt den zu bezahlenden Betrag:
"1, 26 bitte."
Mir wird nun schlagartig klar, warum mich die anwesenden Kunden etwas erstaunt mustern. Aber bloß keine Blöße zeigen und ich spiele meine Rolle im Schlafanzug:
"Ich bin Spiderman und Spiderman muss nicht zahlen. Spiderman hilft Menschen!"
"1, 26, ob Du nun Spiderman oder Batman bist!"
Ich strecke meine Brust vor, da dort mein Spidermanzeichen am Besten hervorkommt und sage heroisch: "Mary Gabi Jane, lass uns aus dieser Brötchen-Gangsterschaft entschwinden und lass Dich von mir retten."
"Ich will mich nicht retten lassen, ich will nur 1, 26 für ein Schokobrötchen, ein Kornbrötchen und zwei normale Brötchen."
Ich nehme eine heroische Position ein und strecke einen Arm in die Höhe, als ob ich ein Spiderman-Netz in die Luft spritzen möchte und beuge mich dabei flüsternd zu Gabi:
"Kann Spiderman das bitte anschreiben lassen?"
"Nur weil DU es bist, Marv!"
Ich drehe mich zu den Kunden hinter mir um, die schon nervös schauen und sage laut:
"Haahaa, seht ihr, Spiderman hat sein Frühstück erkämpft. Und wieder einmal hat Spiderman den Kampf gewonnen!"
Schnell sage ich ein leises "Danke" zu Gabi und schwinge mich an meinen imaginären Netzen aus der Bäckerei - natürlich in möglichst motorisch gekonnten, heroischen Bewegungen.

Was für ein Morgen. Was für eine Uhrzeit. Ich klopfe mir stolz auf die Schulter, dass so viel Kreativität in mir steckt.
Mit meinen angeschriebenen Brötchen gehe ich zurück in meine Wohnung und sehe auf meine Küchenuhr "6:19".
So ein Mist, ich muss tatsächlich noch 101 Minuten warten bis dieser Kaffeemarkt öffnet.
Was macht man in 101 Minuten? Ich lege mich wieder ins Bett und schaue Fernsehen.

Logarithmiert man die Wahrscheinlichkeit und multipliziert man sie mit dem Quotienten aus molarhehr Gaskonstanten und avogadrozahlisiert mit dieser, der sogenannten Bolzmankonstanten, so erhält man die 'Entropie der Wahrscheinlichkeit'.
Ich werde plötzlich wach. Ich bin wohl eingeschlafen und ich weiß nur noch, dass auch dieser Traum nur ein Albtraum gewesen sein kann.
Ich schaue auf meinen Wecker und es ist 9 : 10 Uhr.
Mit dem Gedanken der 'Entropie der Wahrscheinlichkeit' ziehe ich meine Schlappen an und versuche irgendeinen Bezug zu meinem aktuellen Leben zu ziehen, da Träume bekanntlich das Erlebte verarbeiten.
Ich nehme meinen Haustürschlüssel, schnappe mir fünf Euro aus meiner Spardose und knalle die Wohnungstür zu - immer noch über die 'Entropie der Wahrscheinlichkeit' nachdenkend.
Im Supermarkt ergattere ich ein Pfund Kaffee und gehe zur Kasse.
Auch hier mustern mich wieder die Kunden an der Kasse und ich rufe genervt:
"Noch niemals Spiderman ohne Maske gesehen?"


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