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Wie oft passiert es uns Männern, dass wir am Wochenende alleine nach Hause gehen, ohne weiblichen Part. Wie oft fragen wir uns, wie es die anderen Kerle schaffen, nicht alleine nach Hause zu gehen? Haben sie bestimmte Tricks? Sehen sie einfach nur unverschämt gut aus? Was haben diese Männer, das uns fehlen könnte? Ich habe die Tricks und erfolgreichen Verhaltensweisen für diejenigen verzweifelten Männer analysiert und werde hier nun die wichtigsten Punkte niederschreiben:
Zuerst soll der Begriff ‚Anti-Single' eine Erklärung erfahren. Denn wer denkt, mit Anti-Single sei eine Art Anti-Christ gemeint, liegt vollkommen falsch. Der Anti-Single ist kein Mensch, der seinen Single-Abstufungs-Faktor dementsprechend heruntergeschraubt hat und somit zu einem Schatten seiner selbst mutiert ist. Ein Anti-Single wäscht sich regelmäßig, pult sich morgens seine diversen Stoffablagerungen aus dem Bauchnabel heraus und weiß sich in einer weiblichen Gesellschaft zu verhalten. Kurz und knapp: der Anti-Single ist nicht mehr länger Single, sondern steigt zum Objekt der Begierde auf. Nach Einhaltung der Punkte erhält er zu neunundachtzig Prozent zumindest das Interesse der begehrten Eva am Leben und mit zusätzlichen Trainingsstunden wird er sein Ziel erreichen: ihre Telefonnummer.
Punkt Eins: (un)gewusstes Wissen und Rhetorik (wohl der wichtigste und umfassendste Punkt) Wissen beeindruckt und macht sexy - keine Frage. Aber lassen wir unser neu angelerntes Wissen nicht übermütig werden. Dieses Verhalten wird als ‚Klugscheißerei' und ‚arrogant' betitelt und verscheucht jegliche Art von Mensch. Es ist mit dem Wissen, wie mit dem Geld. Man spricht nicht darüber. Entweder man besitzt es oder nicht. Wir brauchen nun aber das Anti-Single-Wissen. Ein speziell abgerichtetes Wissen, welches Frauen beeindrucken soll, ein Wissenstribunal bestehend aus Kunst, Literatur und Kochkünsten. Viele werden nun schockiert fragen, für was man(n) so einen ‚Tuckenmist' bräuchte. Und das ist des Pudels Kern. Befragungen bei Frauen ergaben, dass sie sich liebend gerne über Tuckenmist, wie es angebliche Männer nennen, unterhalten. Für die Dame ist es eine liebenswerte Abwechslung vom profanen Dasein des üblichen Männerbalzens, das aus Ausgeben, Protzen und lächerlichem Antanzen besteht. Fangen wir mit dem Komplex Kunst und Literatur an. Da Literatur natürlich auch Kunst darstellt, werden beide Themen erwähnt werden. Die wichtigsten Epochen zum Beeindrucken sind die Romantik, der Barock, der Impressionismus und der Expressionismus. Den Surrealismus und Dadaismus lassen wir ausfallen, für eine gewisse rhetorische Taktik, zu der wir später kommen werden. Man unterscheidet in der Romantik zwischen der Frühromantik (ca. 1798-1804), der Hochromantik (ca. 1804-1815) und der Spätromantik (ca. 1815-1830). Im Mittelpunkt steht die Idee des Gefühls und der Phantasie. Wichtige Motive sind Wander- und Reise-, Spiegel- und Doppelgängermotive. Typisch für die Romantik sind bestimmte Schauplätze, wie Friedhöfe, Ruinen, Burgruinen, dunkle Wälder, Höhlen. Gerne wird das Natürliche, Übernatürliche und Märchenhafte festgehalten. Damit punkten wir schon einmal bei unserer begehrten Dame. Aber was kann jetzt noch passieren? Wir wissen nun, um was es in dieser Epoche ging. Nicht so schnell, meine Herren. Frauen wollen erobert werden. Rom wurde auch nicht an einem Tag von Nero niedergebrannt. In unserer Gesellschaft wird Wissen erst dann als gefestigt bezeichnet, wenn man großen Namen mit einer Epoche verbinden kann. In der literarischen Romantik waren August Wilhelm Schlegel (Mitarbeiter Schillers bei den Werken Horen, Musenalmanach), sein Bruder Friedrich Schlegel (Herausgeber der Indischen Bibliothek) und Kleist (Die Feuerprobe, Der zerbrochene Krug, Das Käthchen von Heilbronn) die großen Helden ihr Zeit.. In der malerischen waren es Caspar David Friedrich (Die Frau am Fenster, Das Eismeer, Riesengebirge) und Phillipp Otto Runge (Die Ruhe auf der Flucht, Triumph des Amor, Die Mutter an der Quelle). Aber wie verpacken wir dieses Wissen nun? Man darf es nicht einfach herunterbeten. Kunst ist gleichzusetzen mit Emotionen. Wir müssen gespielt die Kunst fühlen. In einem Gespräch empfiehlt sich eine gesunde Mischung aus Euphorie, Bescheidenheit und Pathetik. Wir lernen nun folgende Sätze für den Ernstfall auswendig, der, wie ich herausgefunden habe, sehr gut wirkt: "Treibende Kraft der deutschen Romantik, aber so empfinde ich das nur, ist eine Sehnsucht (wir ziehen diesen Begriff etwas in die Länge) nach einer paradiesischen Welt, die außerhalb der alltäglichen Umwelt gesucht wird. Hinführende Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und Märchen, die Natur, etc. (hier winken wir schnell ab und zeigen der Zuhörerin, dass wir sie nicht langweilen wollen) Für mich ist das zentrale Symbol für diese Sehnsucht (oder besser: für das Ziel dieser Sehnsucht) die ‚Blaue Blume' (sie steht symbolisch für die unendliche Sehnsucht und Liebe und für das metaphysische Streben nach dem Unendlichen.). Die Sehnsucht richtet sich auf etwas Unbestimmtes oder Unerreichbares. Aus diesem Grund wird sie nie befriedigt und kann dauerhaft genossen und ausgelebt werden. Ja, Novalis (der Erfinder) hatte es schon drauf." Ich muss selber zugeben, dass der Abschnitt dick aufgetragen ist, aber versuchen Sie ihren eigenen Stil hineinzubringen. Ergänzen wir aber diesen Abschnitt mit einer rhetorischen Frage und einer sanften Romantik in der Stimme: "Und sollten wir nicht genau wieder dorthin?" Um das Bild rund zu machen, lesen Sie die Inhaltsangaben der erwähnten Werke und schauen Sie sich die Bilder der Künstler kurz an. Das gibt Stoff zur weiteren Diskussion.
Impressionismus soll nun der nächste Unterpunkt sein. Der Impressionismus ist eine Stilrichtung, vor allem in der Malerei, die entscheidend von dem französischen Maler Claude Monet geprägt wurde. (Ein Bild mit dem Namen "Impression, soleil levant" (1872) von Claude Monet mit der Darstellung eines Hafens in Morgenstimmung gab der Bewegung ihren Namen.) Das ist gut für uns, denn der Komplex Literatur wird herausfallen. Auch hier gibt es wieder große Künstler, die man kennen muss und die das Feuer des weiblichen Interesses schüren wird. Kennzeichnend für den Impressionismus ist das Einfangen des Lichtes, Einfangen des Momentes. Auffällig sind die benutzten hellen, pastellenen Farben und die eng beieinander platzierten Farbkleckse. Das war aber keine neurotische Psychose oder eine Beschäftigungstherapie, denn dadurch fließen aus einer gewissen Entfernung die Farben ineinander, so dass durch den Effekt der additiven Farbmischung (wie z.B. komplementäre Kontrastfarben) hellere Mischfarben entstehen, z.B. rot neben grün erzeugt gelb. Fangen wir mit einem der bekanntesten Maler an: Claude Monet (1840 - 1926). Wir alle kennen das große Bild mit den Seerosen (so heißt das Werk, dass er insgesamt fünf Mal malte und einmal am Abend), das uns in jedem Wartezimmer bei Ärzten begrüßt. Neben den vielseitigen Landschaften malte Monet durchaus auch Menschen, wie ‚Frauen im Garten', ‚Frau mit Sonnenschirm', ‚Camille Monet auf dem Totenbett'. In Paris traf Monet auf den namensähnlichen Manet. Da sie sich gegenseitig inspirierten, ist es kein Problem, die Namen zu vertauschen. Im Endeffekt schauen die Bilder eh gleich aus. Edgar Manet (1832-1883) wurde nie richtig anerkannt, hatte aber zu den Malern seiner Epoche ein freundschaftliches Verhältnis. Durch seine Werke ‚Frühstück im Freien' oder ‚Olympia' wurde er für Erregung öffentlichen Ärgernisses angeprangert. Das lag wohl daran, dass er sich eher Motiven aus dem Alltag widmete. Zustimmung für seine Kunst bekam er leider nicht und so fühlte er sich dem Impressionismus nie nahe. Welch Tragödie. Der nächste Kollege, der 1839 bis 1906 lebte, hieß Paul Cézanne. Gleicher Stil, viele Landschaften, wie ‚Mont Sainte-Victoire'‚ ‚Haus mit rotem Dach' und ‚Weg in Chantilly'. Wenn wir nun darüber reden wollen, bleiben wir lieber bei der Intention der Epoche und bringen nur subtil ein paar Namen der Künstler in die Konversation ein. Wir lernen folgende Sätze auswendig: "Der Impressionismus ist einfach wunderschön. (wir denken wieder an unsere EBP-Mischung (Euphorie, Bescheidenheit, Pathetik). Das gekonnte Einfangen des Lichtes. Einfach genial. Trotz der bildlichen, fast leicht plakativen Darstellung lebt das Motiv. Bäume und Menschen scheinen sich zu bewegen. Die Lebendigkeit spiegelt für mich ein Lebensgefühl wider. Und sollten wir nicht genau wieder dorthin?" Kommen wir zu den beiden größten Künstlern, die den Übergang vom Impressionismus zum Expressionismus begründeten. Die künstlerischste Zweierwohngemeinschaft, mit wissenschaftlichen Legenden umwoben, die auf Tahiti in einem kleinen Häuschen wohnte, Paul Gaugin und Vincent Van Gogh. Im Februar 1888 übersiedelte Van Gogh nach Arles über, wo er in Zusammenarbeit mit Paul Gauguin (1848 - 1903) versuchte, eine Künstlerkolonie zu begründen; wie oben erwähnt, aber nur die Zweier-WG zustande kommt. Im Dezember 1888 kam es zu einem Zusammenbruch. Er schnitt sich sein Ohr ab, das er kurz danach einer Prostituierten überreichte. (Gehen wird das nun wissenschaftlich an: hätte er sich ein Ohr völlig vom Kopf abgeschnitten, so wäre er innerhalb kürzester Zeit daran verblutet. Möglich ist, dass er nur einen Teil des Ohrläppchens verletzte oder abtrennte und das dann einer Prostituierten geschenkt hat. (Eine neue Entlohnungsmethode?) Eine weitere Deutung der Geschehnisse geht davon aus, dass sein Freund Paul Gauguin ihm nach einem Streit das Ohr mittels eines Degens schwer verletzte. Mittlerweile wird jedoch vermutet, dass van Gogh an einer Erkrankung litt, einer Art Schwindel, einhergehend mit Tinnitus. Diese Ohrgeräusche können dafür verantwortlich sein, dass er im Hörwahn einen Teil des betroffenen Ohres abschnitt. 1889 ging er freiwillig, und das muss gelobt werden, in die psychatrische Anstalt von Saint-Rémy, setzte dort aber sein Wirken als Künstler fort. Van Gogh beendete sein Leben durch Selbstmord. Vielleicht konnte er auch einfach nicht verstehen, dass man keine Ohren verschenkt. Bekannt geworden sind ‚Die Sonnenblumen', ‚Selbstbildnis' und ‚Das Straßencafe'.
Sehr gut, meine Herrschaften! Wir haben nun zwei große Epochen durchgesprochen. Die Hälfte des Anti-Singlewissens hätten wir hinter uns. Widmen wir uns nun der letzten der Epoche, dem Expressionismus. Den Malern dieser Epoche waren nicht die wirklichkeitsgetreue Widergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig; im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drückten die Expressionisten ihre eigenen Regungen aus. Sie gaben ein "durchfühltes" und interpretiertes Motiv weiter. Hier sind Kunst und Literatur ein perfektes Gesprächsthema. Der Trick bei dieser Epoche ist es, dass man, wie die Autoren und Maler dieser Zeit, seine eigene Gefühle vollkommen wirr und deutungslos heraussprudeln lassen kann. Gleichgültig wie abstrus sie sind. Genau darauf kommt es aber an und zeigt eine rege Phantasie kombiniert mit betörendem Wissen.
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