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Wenn ich ein Superheld wäre, so wäre ich bestimmt ein sehr fauler Superheld. Unmotiviert die Menschheit zu retten. Immerhin haben sich die Menschen selber in diese Lage hineinmanövriert und sollen da auch bitte wieder allein herauskommen. Eigene Schuld. Pech! Man muss ja auch nicht unbedingt um drei Uhr nachts durch einen dunklen Park laufen, nur weil der Weg eine Abkürzung zum eigenen Heim darstellt. Der Umweg tut es auch. Obwohl? Bin ich dann nicht wieder ein Superschurke? Aber ich will ja kein Schurke sein, weil ich kein Schurke bin. Ich bin nur faul. Und wie würde wohl mein Name lauten? Rufen die Leute dann: "Was war das? War das ein Teppich? War das eine Stockente? Nein, es ist die ‚faule Sau'! Es ist Oink-Oink-Man!" Na, das muss nun echt nicht sein. Ich möchte schon einen bewegenden Namen bekommen. Der Name muss etwas hermachen, wie ‚Colossus', ‚Hammer Of Glory' oder ‚SuperMarv, der Stählerne'. Der Name muss brennen; der Name muss alles sofort erklären: Stärke, Intelligenz, Schönheit - ich würde ja gerne meinen eigenen Namen verwenden; ich kann mich schon sehr gut mit diesen Tugenden identifizieren.
Nächstes Problem ist das Kostüm. Wie soll es ausschauen? Aber wichtiger ist die Frage: wer näht mir eine Ganz-Körper-Radlerhose? Erstens kann ich nicht nähen und zweitens habe ich ganz und gar nicht die Ruhe und Lust mich Stunden über Stunden mit meinem Superhelden-Strampelanzug zu beschäftigen. Ich könnte natürlich zu einer Schneiderei gehen und denen meine Skizze vom Kostüm hinknallen und fragen: "Wie lange brauchen Sie dafür? ... Ach, ich kann es schon übermorgen abholen? Danke..." Rechnung nehmen und von dannen fliegen. Auf die Frage für was ich diesen ungewöhnlichen Wunsch bräuchte, würde ich antworten: "Für Karneval" oder "Für eine Themenparty. Motto ist eben... na? Genau, Superhelden!" Ich könnte natürlich auch auf Leder umsteigen. Der geheimnisvolle Leder-Ritter in schwarz. Leider steht mir Leder überhaupt nicht und ich finde, das Leder zu sehr knarrt, wenn man sich bewegt. (Was übrigens schlecht beim Anschleichen an Superschurken ist - der Überraschungseffekt ist dann flöten.) Zusammengefasst, Ganzkörperradlerhosen sehen nicht superheldenmäßig aus und das Problem mit dem Leder werde ich nicht lösen können. Vielleicht sieht man ja auch in Jeans und T-Shirt oder in einem Hugo-Boss-Anzug wie ein Superheld aus? Aber dann wären zu viele andere auch Superhelden und man könnte mich nicht von den ‚normalen' Menschen unterscheiden. Auch nicht gut... Ich frage mich gerade, ob sich jeder angehende Superheld solche Fragen stellt? Was ziehe ich an? Passt stahlblau wirklich zu kaminrot? Wie wäre es einmal mit gewagten Komplementärfarben? Was für Schuhe ziehe ich an? Muss man sich als Superheld schminken? Immer dieses Maskentragen - bekommt die Haut da nicht mit der Zeit Irritationen? Die Haut kann doch gar nicht mehr richtig atmen. Und wenn ich mich schon schminke, welchen Look nehme ich? Britney Spears, ein bisschen nuttig oder doch den Madonna-Style? Fragen, Fragen, Fragen, aber keine Fakten, Fakten, Fakten. Wie machen das bloß diese Superhelden?
Schlagfertigkeit..., ja, das beweisen die meisten Superhelden, bevor der Kampf zwischen Gut und Böse beginnt. Nicht so etwas, wie "Jetzt bist Du dran!" Nein, nein, das war in den Fünfzigern in. Etwas mit Witz, Charme und einer Prise Coolness, wie in ‚Stirb langsam': "Jippijajeh, Schweinebacke!" oder "Ruf' schon mal Deinen Zahnarzt an, damit er Dir morgen die Zähne richten kann!" So etwas besitzt Schmackes. Aber woher nehmen Superhelden diese Sprüche? Kann ich einfach einen Buchladen besuchen und ein ‚Bevor-Sie-sich-schlagen-Superhelden-Sprüche'-Buch kaufen? Gibt es solche Bücher überhaupt? Da fällt mir auch direkt ein Nachteil beim Superheldendasein ein. Die schlagen sich ja wirklich immer. Was mache ich denn dann, wenn ich ein kleines Mädchen beim Bonbonklau erwische? Es packen und ins Gesicht brüllen: "Ok, jetzt gibt's eins auf die Fresse!" Kann man das denn nicht in Ruhe ausdiskutieren? Zum Beispiel bei einem Bankraub: "Musstest Du denn wirklich diese Bank ausrauben?" "Ja, ähm", der Superschurke schaut verstohlen auf den Boden und antwortet, "es ist nur so, ich bin arbeitslos, habe drei Superschurkenkinder und eine Superschurkenfrau. Die machen alle Terror, weil ich kein Geld mehr nach Hause bringe. Das hier ist nur eine Tat aus purer Verzweiflung." Tränen steigen ihm in die Augen und er bringt ein weinerliches "Ehrlich!?" hervor. "Aber es ist eine böse Tat. Das wissen wir doch, oder", frage ich belehrend und zeige schwenkend mit meinen Zeigefinger auf ihn. Diese letzte Geste gibt dem Schurken den Rest und er bringt das Geld brav zurück. Oder ein ganz anderes Szenario: "SuperMarv, komme mir nicht zu nahe. Mit diesem einen Knopfdruck werde ich die Welt zerstören." Dazu das allbekannte Schurkenlachen, dass durch die Schurkenhöhle schurkerisch hallt.. Auch hier wieder mein sozialpädagogischer Ansatz - man kann über alles reden. "Und was würde Ihnen das bringen? Denken Sie logisch! Wenn Sie die Welt zerstören, dann wird sich doch gar keiner daran erinnern können, dass SIE die Welt zerstört HABEN. Wo ist denn da der Sinn?" "Hhm, so hab’ ich das noch nie gesehen. Dann werde ich eben die Welt erpressen und die Weltherrschaft an mich reißen. So", dabei streckt er mir die Zunge heraus. "Na, na, na", ich schüttel (wieder) belehrend den Kopf, "überlegen Sie doch. Wenn SIE die ganze Welt beherrschen, müssen Sie auch den ganzen Verwaltungsaufwand bedenken." Ich schaue gespielt konzentriert und frage: "Ich gehe recht in der Annahme, dass Sie nicht an demokratische Wahlen denken?" Der Schurke schaut überlegend in die Luft und antwortet zögerlich: "Ich, ... nein, ich dachte schon eher an die Richtung Diktatur oder ähnlichem." "Ah, Sie meinen Kommunismus?" "Wie bitte", fragt der Schurke. "Kleiner Scherz! Diktatur also", wiederhole ich leise, "ja, hm, und wie stellen Sie sich den Kampf gegen Arbeitslosigkeit, für wirtschaftlichen Wachstum, bessere Bildung und so weiter und so fort, vor?" "Soweit habe ich noch nicht gedacht. Ich will ja erst einmal nur die Weltherrschaft." "Typisch Einzelkinder", bemerke ich, "immer alles wollen. Brauchen Sie denn wirklich die GANZE WELT? Fangen Sie doch klein an. Nehmen Sie zuerst Bayern oder Sachsen-Anhalt. Meinetwegen können Sie dann auch ruhig auf Ihren Knopf drücken. Da wird Ihnen eh kaum einer böse sein." "Aber ich will BÖSE sein", entgegnet mir der Superschurke, "das ist mein Job!" Schnell schalten meine Synapsen und in Windeseile antworte ich: "Meinte ich etwa ‚nicht böse sein'? Ich hatte mich versprochen. Man ist dann erst RECHT böse auf Sie! Sie werden in die Geschichte eingehen. Versprochen."
Ich habe schon einige Briefe mit Bitten und Anfragen an gewisse Superhelden, wie Spiderman, Batman, Superman, sogar Wonderwoman, geschrieben. Aber - wer kann es ihnen verübeln - sie antworten nicht. Ich denke, dass sie im Moment zuviel zu tun haben. Obwohl ich von ‚Wonderwoman Kosmetik' nach einer Woche ein paar Pröbchen zugeschickt bekommen habe. Makeup-Zubehör, um genau zu sein. Einen Kajalstift, Wimperntusche und Abdeckpuder.
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