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Es ist wieder Weihnachtszeit. Gefühle von Sentimentalität kommen hoch, überall Lichter - an Bäumen und Häusern, die nur ökologischen Strom benutzen.
Familien vereinen sich.
Menschen finden wieder zueinander, tanzen, weinen, lachen.

Ich persönlich sehe das alles etwas anders.
Gehen wir mal davon aus, dass ich nicht unbedingt ein Familienmensch bin.
Für mich reicht ein Weihnachten mit einer Pulle Wein (ok, Rotwein in einer grünen Flasche, damit nicht die ganze Weihnachtsatmosphäre zerstört wird und die traditionellen Farben erhalten bleiben - besser als gar nichts).
So kommt irgendwann der ganze Weihnachtsstress - Geschenke kaufen, Geschenkesjagd, Schnäppchen suchen und der Wirtschaft danken, dass nun überall Schnäppchen zu erwischen sind.
So bekam ich auch meinen Rotwein in einer grünen Glasflasche für nur 1,99 Euro.
Gut, ich hätte auch ein grünes Tetrapack kaufen können, von dem mich ein Weihnachtsmann angrinst und den Daumen hochhält.
Aber, Stil muss sein.

Voll übertriebener Freude geht man nach Hause und freut sich auf die weihnachtliche Atmosphäre in seiner Wohnung: die Glühweinreste kleben noch auf dem Boden und an den Tischen. Überall sind Schuhabdrucke zu finden und man weiß ganz genau, dass das nicht der Weihnachtsmann gewesen ist, der einem einen Besuch abstattete - immerhin habe ich keinen Kamin.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich der Weihnachtsmann extra für mich durch eine Gasleitung zwängt, zum Schluss im Gasboiler landet und verzweifelt den nicht vorhandenen Ausgang sucht.

Nun gut, nach dem Aufräumen und Putzen mache ich es mir gemütlich und lege meine einzige Weihnachts-CD auf: "Christmas With Media Market". Ich sage nur - Bombenstimmung.
Die Lieder beflügeln mich von Dean Martin mit "Let it snow! Let it snow! Let it snow!" oder Peggy Lee mit "Santa Claus is coming to town", der absolute Wahnsinn.
Beim weihnachtlichen Swingen durch meine Wohnung öffne ich meine grüne Rotweinflasche und sinke voller Endorphine in meinen Sessel.

Die restlichen Lieder prasseln wie ein sanfter Sommerregen auf mich ein, und ich werde etwas besinnlich. Eigentlich sind diese ganzen Lichter schon ganz schön, auch wenn sie ihre Energie aus Atomstrom beziehen. Was soll es auch, wir haben doch genug davon.

Familien vereinen sich. Obwohl... man muss ja auch seine Familie besuchen. Wenn man es als Single nicht in Erwägung zieht, scheint man ein "Familienschwein" zu sein. Alte Onkel und Tanten sind da, alle Omas und Opas sitzen schlafend auf ihren Sesseln und werden nur durch den gelegentlichen Türklingelton wach. Man hat eben keine andere Wahl, als seine Sippschaft wiederzusehen.
Ich meine ja nur, zu Ostern wird z.B. dieser ganze Schnickschnack außer Acht gelassen und es kümmert keinen, ob man jemanden besucht oder nicht. Keiner wäre auch nur die Spur erbost.
Aber in der Weihnachtssprache ist alles so verniedlicht und schön.
Gezwungene Treffen sind Vereinigungen, stilles Herumsitzen wird als harmonische Konversation bezeichnet, bestelltes Essen wird als beste Köstlichkeit des Jahres gekürt, die kitschige Weihnachtsdekoration wird als pompös und sehr elegant bezeichnet, obwohl es jedes Jahr die gleiche Dekoration ist und man geschickt, die roten Kugeln durch die blauen Kugeln ersetzt hat, die dort letztes Jahr ihren Platz hatten, und so weiter. Man könnte diese Liste wahrscheinlich unendlich fortführen.

Aber das Schönste von allem ist, dass Menschen zueinander finden. Damit meine ich nicht die schlechten Wegbeschreibungen derer Leute, die einen unbedingt zum Weihnachtsfest einladen müssen, um ihre neuen Errungenschaften zu zeigen.
Aber das alles ist egal, denn es ist Weihnachten.


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