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Mittagszeit, Essenszeit, Nahrungsaufnahme.
Ich überlege mir magenknurrend in der Küche, was ich mir heute kochen könnte.
Ich öffne meinen Kühlschrank, doch die Tür lässt sich nur schwer und knarrend öffnen.
Mit einem harten Ruck ist aber dann endlich die Tür geöffnet und es fliegen mir Kühlschrankmotten entgegen und Spinnenweben schmücken den Innenraum.
Nein, natürlich nicht. Mein Kühlschrank ist schon sauber, aber - irgendwie - leer.
Keine Frage, ich blicke auf eine weiße Innenraumwand mit weißen Plastikgittern, die meinen Kühlschrank einteilen sollen.
Gut, etwas liegt schon noch dort: Margarine, eine Flasche Wasser und ein Apfel, oder Apfelsine - ich kann diesen organischen Gegenstand nicht richtig identifizieren.
Danach schaue ich in meine Speisekammer, die normalerweise leer ist. Mittlerweile ist die Speisekammer ein Lagerraum für meine unzähligen Spiderman-Comics geworden, aber ich vergesse diesen Fakt immer schnell.
Ich lehne mich an den Türrahmen und überlege, was man aus einem Rest Margarine, der Flasche Wasser und diversen Comics zaubern könnte.
Ich komme nicht drum herum - ich muss einkaufen.

Ich schnappe mir etwas Geld und gehe magenknurrend aus der Haustür. Nach einigen Minuten betrete ich den überdimensionalen SUPERmarkt.
Schon am Eingang hält mich ein hübsches Mädel, mit bunter Kleidung und einem großen Cowboyhut, auf .
"Schönen guten Tag, mein junger Herr. Yihaa", sagt sie euphorisch schreiend und bietet mir, freudig auf den Cowboyhut tippend, ein Plastikpinchen Schokolikör an.
Ich schrecke zurück und frage: "Wie bitte?"
Doch die junge Dame wiederholt nur: "Yihaa!", und streckt mir das Pinchen erneut entgegen.
Ich schnuppere daran und der Duft sagt mir zu: eine ganze Prise Rum und viel Schokolade gemischt mit Zimtzucker. Mein Magen knurrt bedankend zurück und die nette Dame schenkt mir schnell ein Prospekt zu dem neuen Schokogetränk und ein weiteres Pinchen ‚Yihaa!' ein.
"Mögen's noch einen, mein Herr?"
Ich weiß, ich sollte diese Frage nicht bejahen, da mein Magen noch nüchtern ist. Ach, was soll's - dieses kleine Pinchen.
Ich schnappe mir meinen dritten Mini-Plastikbecher mit ‚Yihaa!'.
Mir wird ein bisschen schwindelig und ich schaue in den Yihaa!-Prospekt:
Erleben Sie den süßen Westen mit Yihaa! Nur der feinste Rum und Zimtzucker wird für unser Produkt ausgewählt. Abgerundet mit dem feinsten Wodka und einem Schuss feinsten Whiskey. (Danach folgt in kleiner Schrift) Unsere 92,765 % Zusatzaromen und Ersatzstoffe für Schokolade, sowie Farbstoffe ...
Das Cowgirl lächelt mir zu und ich lehne mich mit meinem Ellenbogen an ihren kleinen Thekentisch.
"Und? Öfters hier?" Dabei zwinkere ich ihr mit einem Auge zu.
"Nein, nur heute. Das ist eine Marketingaktion."
"Ach so", antworte ich bewundernd und spiele bewusst Unkenntnis vor: "Was genau meinen Sie mit Marketingaktion?" Wobei ich Marketingaktion stammelnd betone und nehme gleich noch einen ‚Yihaa!' zu mir.
Mein Cowgirl erzählt und erzählt und ich pichel und pichel mir jede Minute einen weiteren ‚Yihaa!'. Anstatt meine Dreistigkeit zu zügeln, füllt Marina, so heißt sie nämlich, wieder neue Plastikpinchen auf.
Nach insgesamt sechs oder sieben (???) ‚Yihaa!'s haben wir unsere Handynummern ausgetauscht und ich verabschiede mich mit: "So, kleine Cowboymaus, yihaa und tüss!" Hicks!

Leicht angeheitert, schwebe ich in Richtung Einkaufswagen. Schön aneinander gereiht warten die zugerittenen Pferde des Einkaufsbummel nervös auf ihren nächsten Reiter. Jedoch, um die Zügel in die Hand zu nehmen, muss ich vorab einen Euro in einen kleinen Kasten hineinlegen und der Ritt kann losgehen. Yihaa!
Ich gehe mit meinem Einkaufspferd trabend, an den Zügeln haltend, durch die einzeln aufgebauten Konsumregale.
Ich bleibe bei der riesigen, bestimmt vier Meter langen, Kühltruhe stehen und das Angebot an gefrorener Ware ist mehr als reichlich. Ich beschränke mich zunächst auf Pizza und Lasagne. Mehr braucht man eigentlich nicht.
Ich überlege und denke an meine schlanke Linie, die ich zu erreichen versuche. Vielleicht sollten dieses Mal drei Gemüselasagnen reichen und dieses Mal auch nur zwei Spinatpizzen.
Zuviele Kohlenhydrate, die sich in dem Gemüse befinden, sind auch nicht allzu gut.
Na, da haben wir doch schon eine Woche zusammen, denke ich mir.
Just in diesem Moment fährt eine gutaussehende Dame mit ihrem Einkaufswagen an mir vorbei und ich kann flüchtig einen verstohlenen Blick in ihren Einkaufswagen werfen.
Ich gebe es hier offen zu: ich bin ein Einkaufswagen-Spanner. Ich kann nicht anders als immer wieder die Einkaufswagen, die Produkte, die intimste Nahrungsaufnahme zu erhaschen.
Liebe Geschworene, im Sinne dieser Anklage bekenne ich mich schuldig.
Ich erkenne bei ihr einen grünen Kopfsalat, Käse, Kartoffeln, Möhren, Tomaten, etwas Basilikum und unpaniertes Putenfleisch.
Der typische Fall von Salateinkäuferin, aber recht hat sie ja schon.
Ich vergleiche den Inhalt meines Wagens mit ihrem und finde Gemeinsamkeiten: auch ich achte auf Gemüse. Immerhin habe ich ganze vier Gemüselasagnen im Wagen.


.: Fortsetzung folgt - zurück zu den Geschichten :.


.: Fortsetzung folgt - zurück zu den Geschichten :.


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