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„Mann, Marv, du musst da mal progressiver an die Mädels rangehen. So wird das sonst nie was“, sagt mir mein alter Jugendfreund Bubbe.
Bubbe besitzt ein Selbstvertauen, welches ihm eigentlich gar nicht steht. Jedoch, das muss ich ihm lassen, kommt er immer wieder durch die streng gestrickten, weltlichen Maschen und hat Erfolg - in jeder Hinsicht.
„Du bist zwar kein Adonis, aber...“
„Hey, hey, hey“, werfe ich stoppend ein, „nicht zur Gürtellinie, ja?“
„Okay, Marv, dann sage mir doch mal, wie du das so machst, ja?“
„Was machen?“
„Progressiv sein!“
„Weißt du überhaupt, was progressiv bedeutet?“
Bubbe überlegt kurz.
„Ist doch so ´nen Zwischending zwischen progressiv und aggressiv. Habe ich doch letztens im Fernsehen gehört.“
Ich verdrehe die Augen. Das kommt davon, wenn man sich jeden Tag RTL II aussetzt.
„Nein, ist es nicht“, sage ich.
„Okay, Alter, lass mal deinen Spruch hören.“
„Ich habe keinen Spruch, Bubbe, ehrlich. Das ergibt sich meistens.“
„Du hast keine Taktik?“, fragt Bubbe schockiert.
„Hast du eine?“, frage ich zurück.
„Ja sichaa, was wäre ich ohne Taktik“, lacht Bubbu.
„Normal?“
Aber Bubbe überhört die Spitze.
„Marv, was ist denn dein Spruch? Jetzt sag´ mal.“
„Okay... äh... sollen wir mal kochen?“
Bubbe lacht laut auf: „Kochen? Schwul, oder was?“
„Was ist an ‚kochen’ denn so schlimm?“
„Männer kochen nicht. Sie lassen sich bekochen.“
Ich verdrehe erneut die Augen.
„Ja, wat denn? Alter, wir gehen heute auf die Piste und du bekommst heute das Bubbe-Anmach-Programm. Volle Pulle, sag ich dir. Am Besten fangen wir jetzt sofort an.“
Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Eigentlich spüre ich gar keine Begeisterung in mir.
Bubbe steht von seinem Hocker auf und zieht mich gleich mit hoch.
In der Bar lokalisiert er ein Mädel und sagt: „Hier, sie da, ne? Die machse jetzt an.“
Natürlich sträube ich mich.
„Ich komm auch mit, Alter. Bin immer hinter dir.“
Gezwungenermaßen setze ich einen Fuß vor den anderen und male mir die schlimmsten Szenarien aus.
Als ich nur noch einen Schritt von Bubbes Auserwählten stehe, gibt mir Bubbe einen heftigen Stoß in ihre Richtung. Leider übersehe ich einen Bierfleck auf dem Boden, rutsche nach vorne hin aus und knalle mit Karacho gegen die Stehtischkante von Bubbes Auserwählten.
Ich werde sofort bewusstlos.

„Jungäääh, ey, Jungäää“, schreit eine weibliche Stimme. Aber anstatt meiner Auserwählten, steht die rüstige Wirtsherrin breitbeinig über meinem Kopf und brüllt mit den Händen in ihre Hüfte gestemmt: „Dat war aber deen letztes Bier.“
Benommen sage ich: „Ich habe noch gar kein Bier getrunken.“
„Jooaa, sichaaa, dat sagen se alle. Ich sachte noch zu Erwin, lass die scheiß Dumpingpreise. Die bringen uns nur Ärger.“
„Aber ich hatte nur ein Wasser!“
Die Wirtsherrin schaut kontrollierend zu Bubbe. Der sagt aber nur: „Mein Kollesche is sternhagelvoll. Der will heute mal progressiver sein.“
„Dann seid woanders prokrasser, aber nich meeaah hiiaar!“

Nach einer heftigen Aushandlung des Zeitraumes des Hausverbotes gehen Bubbe und ich in Richtung Innenstadt. Leicht schwanke ich noch in einem unbekannten Rhythmus den Bordstein entlang.


.: Fortsetzung folgt - zurück zu den Geschichten :.


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