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Ich kann es nicht verstecken, aber ich habe einen weißen Punkt auf meinen Haaren. Um genau zu sein, liegt der weiße Punkt an der hinteren, linken Kopfseite.
Dieser Punkt ist ein Geschenk und Fluch zugleich.
Warum ein Fluch?
Durch meine Reisen zu verschiedenen Lesestellen kommt es ab und zu vor, dass ich meinem Friseur fremdgehe und einen in der momentanen Stadt aufsuche.
Jedes Mal, wirklich jedes Mal kommt die Frage, wenn der Friseur oder die Friseurin beim Schneiden an meinen weißen Punkt gerät: „Oh, darf ich daran schneiden?“
Nein, darfst du nicht, ich will genau diesen Punkt als eine zwei Meter lange Strähne wachsen lassen.
Aber ein triviales „Nein“ ist mir mit der Zeit zu langweilig geworden und ich verschönere mir diese Anfrage mittlerweile auf folgende Art und Weise.

Das letzte Mal ist es eine Friseurin gewesen und sie stellt mir wieder die erwähnte Frage.
„Darf ich daran schneiden?“
Ich schaue verzweifelt in den Spiegel vor mir, um sie zu fixieren können, und sage: „Hm, ich weiß nicht, ob das einen Sinn hätte. Dieser Punkt, also diese weißen Haare besitzen fast eine Beschaffenheit aus Stahl. Ich muss alle zwei Monate ins Krankenhaus, damit ein Chirurg die weißen Haare mit einem Haarschweißgerät abtrennen kann. Bei diesem Punkt sind bestimmt schon um die vierzig Scheren zerstört worden. Aber probieren Sie ihr Glück.“
Kurz, sie hat wirklich um meinen Punkt herumgeschnitten.

Ein anderes Mal.
„Darf ich an Ihrem weißen Punkt schneiden?“
Ich antworte gar nicht und vertiefe mich gespielt in meine Zeitschrift. Sie wartet sichtlich verstört und verunsichert auf meine Antwort, die sie nicht erhalten wird. Ergo, sie schneidet die weißen Haare ab.
Plötzlich schreie ich laut auf: „AUUUUA, verdammt, tut das weh. Das sind externe Nervenbahnen. Wussten Sie denn nicht, dass Nervenbahnen weiß sind? Man sagt doch nicht umsonst, dass sie haarklein sind.“ Dann halte ich eine dramatische Pause und schlage mir mit der rechten Hand auf den linken Arm. Verstört rufe ich: „Ich spüre meinen Arm nicht mehr, ich spüre meinen Arm nicht mehr! Hilfe, Hilfe!!! Und mein linkes Bein auch nicht.“ Ich stehe auf, verlagere meine Gewicht auf das linke Bein und falle dramatisch auf den Boden.
„Mein Bein, ich spüre mein Bein nicht!“
Kurz, diesen Haarschnitt gab es umsonst.

Es gibt viele andere Varianten mit dem Beispiel, dass die weißen Haare Nervenbahnen seien. Einmal habe ich meine Sprache verloren, beim zweiten Mal fing ich an zu zucken, beim dritten Mal spielte ich Tod. Aber plötzlich standen Sanitäter vor mir und wollte mich wiederbeleben, so dass ich das Nervenbahn-Spielchen endgültig abharkte.

Bei der Partnersuche hingegen kommt mir dieser weißer Punkt sehr entgegen. Er stellt praktisch einen Eisbrecher dar, denn auch hier die Frage: „Darf man daran schneiden?“
Wenn mir mein Date gefällt, bleibe ich meistens ehrlich, wenn aber nicht... ich sage nur: Nervenbahnen!
Nun gerade sagte ich, wenn mir mein Date gefällt, sage ich meistens die Wahrheit, doch ab und zu kann ich nicht anders und der Komikdämon kommt in mir hoch und ich gebe folgende Antwort: „Ein Arzt meinte, dass es abgestorbene Gehirnzellen sind. Der menschliche Körper reagiert darauf, indem er diese Stellen weiß werden lässt bzw. markiert.“
Sie mustert ihren Unterarm und zeigt mir ihre vielmals vorhandenen Muttermale und meint: „Also, wenn das Gehirnzellenabsterben weiß bedeutet, heißt es dann, dass wenn man viele Muttermale besitzt (diese sind bekanntlich braun bis schwarz) total intelligent ist?“
Ich schaue sie an und frage: „Wo hast du denn noch welche? Man sagt in der Regel, dass man ab zweihundert Muttermalen einen Plus-IQ von Zehn besitzt.“ Dabei lächle ich und denke, dass sie meine neckische Anspielung versteht, aber Fehlanzeige. Denn sie steht auf und sagt: „Warte mal, ich geh mal kurz auf’s Klo und zähle meine Muttermale.“
Nach einer Stunde und vierzig Minuten später erscheint sie an unserem Tisch und sagt enttäuscht: „Ich habe nur 73. Den Rücken kann ich ja leider nicht sehen.“
Ich verzichte auf den fast ins Gesicht springenden Anmachspruch: „Na, dann lass mich mal deinen Rücken als Zählbrett sehen!“

Ach ja, dieser weiße Punkt. Genauer betrachtet bringt er mir doch nichts als nur Ärger ein.
Selbst mit einer Kontaktanzeige ‚Junger Mann mit weißen Punkt im Haar sucht sie’ läuft es nicht wie geplant. Denn, wenn eine Zuschrift bei mir eingegangen ist, so lese ich die öfters Frage: „Also, wenn dieser weiße Punkt nicht ansteckend ist, könnte man über ein Treffen nachdenken.“


Wenn er anruft, um die Beziehung zu beenden <

Zehnerabstempelkärtchen >

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