Termine
Marvin & Friends
Marvin on Mono
Supported by...
Presse
andere
Lesen gehört
Gallerie
Wallpaper
e-Shop
NEWSletter
Impressum

Wer hätte das gedacht?!?

Mein letzter Tag in der Märchenwelt. Morgen geht mein Flug in die Realität um Gegenwartszeit.
Zur Entspannung und zum Resümieren meiner Erlebnisse besuche ich die Kneipe Magicwood.
Die Bar ist gut gefüllt und ich setze mich an den letzten freien Tisch.
Nun, der Tisch ist nicht ganz frei. Ein weiterer Gast sitzt schon an ihm – es ist ein Wolf mit großen Ohren und großen Augen und scharfen Zähnen. Eine lange Narbe auf seiner Bauchregion ist zu erkennen.
Aber mir macht das heute alles nichts mehr aus. Höflich frage ich nach dem freien Platz, doch der Wolf hockt nur über seinem schalen Bier, starrt förmlich in sein halbleeres Glas und antwortet nicht. Ich deute dies als ein Ja und setze mich hin.
„Was darf ich dir bringen?“, fragt eine weibliche Stimme plötzlich neben mir.
Auf ihrem kleinen Namensschild lese ich ‚Rotkäppchen’. Erstaunt darüber bestelle ich aber nur ein kleines Bier.
Plötzlich erwacht der Wolf aus seiner Lethargie und sagt zur Kellnerin: „Rotkäppchen, ich nehme auch noch eins.“
Garstig antwortet sie darauf: „Du hast noch eins“, lächelt mir kurz zu und bestätigt meine Bestellung.
Hier sind eindeutig schlechte Vibrations zu spüren.
Traurig schaut der Wolf der Kellnerin nach und stöhnt.
„Hätte ich das doch nur nicht getan. Hätte ich das nur nicht getan“, und sein gewaltiger Kopf knallt auf den Tisch. Dabei blinzelt er mir kurz zu und vergewissert sich, ob ich ihn auch wirklich wahrgenommen habe.
Wie ich Wesen hasse, die sich immer Fremden mitteilen müssen. Also spiele ich den tauben Ahnungslosen.
Wieder ruft der Wolf: „Hätte ich das nur nie getan!“, und schaut mir bewusst in die Augen.
„Okay“, denke ich mir, „keine Reaktion zeigen. Nur das eine Bier trinken und dann bist du wieder weg. Keinen Augenkontakt, bloß keinen Augenkontakt!“
Keine Chance. Ich werde mit einer Frage forsch angegriffen: „Hättest du das getan?“
Wenn ich bloß nicht dermaßen neugierig wäre. Mittlerweile zerreißt mich die Antwort auf die Frage ‚was er hätte nie tun sollen’. Aber ich unterdrücke meine Neugier und antworte nicht.
Plötzlich packt mir der Wolf und zieht mich vor sein Maul. Sein Biergeruch umnebelt mich und er fragt wieder: „Hättest du das getan?“ Er schüttelt mich wild hin und her und bei jeder Silbe rüttelt er mich immer und immer wieder: „Hättest du das getan?“
Um dem eine Ende zu bereiten, frage ich laut: „Was denn?“
Der Wolf beendet das Schütteln meiner Person und beginnt zu reden.
„Ich wollte doch nur ihre Liebe. Okay, gleich die Großmutter zu fressen, war vielleicht ein bisschen übertrieben.“
Ich halte meinen Daumen und Zeigefinger in Augenhöhe zwei Zentimeter auseinander und sage: „Vielleicht nur ein bisschen!“
„Aber das Nikleschee der Großmutter war wirklich bequem – das muss ich schon sagen.“
Ich verziehe sichtlich verwirrt mein Gesicht.
„Frauenunterwäsche? Du?“
„Jeder hat seinen Fetisch!“, sagt der Wolf als Rechtfertigung und mit einem Ausdruck als ob es das Normalste der Welt sei.
Alleine die Vorstellung, dass ein Wolf zum Beispiel in roten Strapsen spitz wie Lumpi auf seine Geliebte erwartungsvoll wartet, ist mehr als abenteuerlich.
„Na ja“, sagt der Wolf, „ich gebe zu, Rotkäppchen ist nicht gerade die Hellste. Aber sie strahlt diese Unschuld aus. Da stehe ich voll drauf!“
Mir ist seine Aussage vollkommen verständlich, denn:
Rotkäppchen betritt das Schlafgemach der Großmutter, ein Wolf liegt in einem Niklischee auf dem Bett, im Hintergrund läuft sinnlich Marvin Gay mit ‚Sexual Healing’ und sie fragt auch noch: „Wieso hast du so große Ohren?“
Das ist wirklich die Unschuld in Person, keine Frage.
„Solange es nur dieser eine Fetisch ist“, sage ich, um die Situation umzulenken, „okay. Andere stehen auf Füße und solch ein Zeugs.“
„Ohhh“, schwärmt der Wolf begeisternd, „Rotkäppchens Füße, welch schön erotischer Gedanke!“
„Du bist doch krank. Lass bitte das Thema wechseln.“
„Füße“, ruft der Wolf schnell sprechend absichtlich.
„Oh Gott, ich muss hier raus. Aber sofort!“
„Füße, Füße, Füßäää....“
„Es reicht. Ich gehe zahlen.“
„Du bist vollkommen verklemmt. Lass darüber reden.“
„Ich bin nicht verklemmt. Ich bin Katholik!“
„Ui, ui, ui, das sind die Schlimmsten“, antwortet der Wolf mich nicht ernst nehmend.
„Ich soll verklemmt sein? Dann pass mal auf: ich hatte beinahe einen Frosch geküsst, mit einer Meerjungfrau eine Beziehung geführt, ließ mich beinahe auf SM-Spielchen mit Rapunzel ein ... “
„Tja“, sagt der Wolf, „wenn da nicht ständig das Wort ‚beinahe’ fallen würde.“ Dabei lächelt er unverschämt überheblich.


Elektronische Partnersuche <

Zwischen den Stühlen >

Startseite