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Spricht man mich auf Technik an, so winke ich meistens ab. Denn die Technik war nie mein Freund. Ich sehe mich eher als ein Zerstörer dieser Technik und dies nur ungewollt.
Ich will nie Täter sein, bin es aber trotzdem – ein ungewollter Hacker.

Aber warum? Ein paar Beispiele:
Ein Freund zeigt mir seinen neuen Rechner und sagt stolz: „Klick mal dahin und du wirst staunen.“ Ich befolge den Befehl und was passiert? Das Betriebssystem stürzt ab, wichtige Dateien löschen sich selbständig und der Rechner fährt nie wieder hoch.
Der Kollege ist außer Rand und Band und schreit mich an: „Was hast du getan?“
Ich: „Doch nur dahin geklickt! Ehrlich!“

Ich will meine Note vom Universitätsserver Dortmund abrufen. Ich tippe diszipliniert mein Passwort ein und bekomme die Meldung: „Server down!“
Nach zwei Minuten denke ich: „Das kann nur ein Zufall gewesen sein“, und gehe erneut auf den Uni-Server. Ich kann mich sogar einloggen und klicke auf den Lehrstuhl-Link und meine Kursnummer. Nach zwei Minuten Ladezeit: „Server down. Entstandener Fehler durch User 143.456.343.“
Natürlich checke ich meine aktuelle IP-Nummer und bemerke leider, dass ich 143.456.343 bin.

Mir zeigt dies ganz eindeutig, dass ich mit Computern einfach nicht kann. Selbst das Ansprechen oder gar Anflehen meines oder eines anderen Rechners funktioniert nicht. Mir ist bewusst gewesen, dass Technik mich nicht hören kann, aber die meisten vereinsamten Informatiker reden ja auch mit ihrem Rechner und in der Not fresse ich auch gerne imaginäre Fliegen und spreche mit meinem Rechner.
Dieser zickt aber nur herum und seitdem nenne ich ihn ‚Sandra’. Mein Rechner besitzt mir zu viele weibliche Eigenschaften.
Will ich etwas erarbeiten und speichern, wird drei Mal gefragt, ob ich auch wirklich sicher bin. Komme ich gestresst aus einem Arbeitstag heraus und schalte meinen Computer an, spürt der Rechner meine Disharmonie und will erst gar nicht hochfahren und zeigt mir nur arrogant sein BIOS. Chatte ich per ICQ mit einem Mädel, so stürzt mein Rechner ohne Grund aus Eifersicht einfach ab.

Sandra, mein Rechner, ist Frau durch und durch.
Ich habe sogar für uns beide gekocht. Aber die Gnocchis a la Laura verstopfen bis heute noch mein CD-ROM-Laufwerk und verschlimmerten die Beziehung zwischen uns.
Mein Gott, Sandra hat nie gesagt, dass sie Gorgonzola nicht mochte.

Sandra und ich sind nun genau ein Jahr zusammen und ich habe für diesen Anlass einen guten Cabernet für uns besorgt. Ich trank ein Glas und pulte währenddessen die hart gewordenen Gnocchis aus Sandras CD-ROM-Bereich heraus.
Ich kaufte sogar vorher Rosen und verteile einige Rosenblätter um meinen Rechner Sandra herum.
Und wie wurde es mir gedankt?
Überhaupt nicht. Sie geht mir sogar fremd. Denn ein Programm namens AntiVir zeigt mir plötzlich einen Virus, der sich in ihre Bootsektoren, in das Intimste Sandras, eingenistest hat.
„Du Schlampe“, sage ich laut, „kein Wunder, dass unsere Beziehung nicht mehr funktioniert. Ich vertraute dir doch alles an.“
Doch dem nicht genug. Der Kollege AntiVir findet noch zwei weitere Viren und einen Wurm.
„Okay“, sage ich, „wie lange geht das schon zwischen euch Vier(en)? Sei ehrlich!“
Sandra erhöht ihre CPU-Kapazität und läuft warm.
„Hey, da brauchst du gar nicht warm zu werden.“
Der Lüfter schaltet sich heulend ein.
„Komm, hör auf zu heulen. Das zieht nicht mehr. Sag mir die Wahrheit! Woran liegt es denn? Etwa an mir?“
Da geht doch plötzlich ein Fenster auf: „Du hast dich lange nicht mehr gemeldet!“
Ich bin erstaunt, dass mein Rechner plötzlich auf meine verbalen Aussagen reagieren kann, bemerke aber schnell, dass es sich nur um ‚Hase28’ per ICQ handelt.
Sandra bekommt diesen Transfer natürlich mit und genau in diesem Moment, als ich antworten möchte, heult ihr Lüfter erneut auf und mein Rechner explodiert vor meinen Augen.

Seit heute besitze ich übrigens einen Laptop. Der ist auch voll cool drauf. Chatten mit Mädels und Bookmarks von Singleseiten werden ohne ein Aber akzeptiert. Es sind wie kleine Cookies. Wir gehen öfters mal zusammen raus – die Bar hier, die Bar dort und haben Spaß zusammen, besonders wenn wir einen Hotspot finden.
Habe ich übrigens erwähnt, dass mein neuer Laptop ‚Hans-Jürgen-Dieter’ heißt?


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