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Wer kennt das nicht? Nach dem gemeinsamen Akt der Liebe, der Vollkommenheit, der biologischen Vereinigung entsteht das allbekannte Stell-dich-ein, aber dies eher beim Mann. Die Überbrückungszeit wird leider von dem weiblichen Part als Diskussionsrunde betrachtet. Man(n) selbst ist erst einmal müde, geschlaucht und kaum ansprechbar. Das Blut muss ja auch zuerst in den ganzen Körper zurückzirkulieren. Das weiß der Bettnachbar und ab und zu scheint er dies schamlos oder unabsichtlich auszunutzen, indem zwischenmenschlich emotionale Fragen gestellt werden. "Findest du mich eigentlich schön?", fragt sie. Was soll ich denn darauf antworten? Da mein Blut noch in den unteren Regionen herumspaziert und unschlüssig ist, ob es nun doch wirklich den Aufzug in die oberen Etagen besteigen soll, antworte ich ehrlich: "Na ja, schön bist du nicht. Hübsch, würde ich sagen." Ich schaue mir aber meine Eroberung erneut an und ergänze meine Aussage mit "na ja, vielleicht nur mittelhübsch." Man braucht kein Genie zu sein, um die plötzlich entstandene Missmutigkeit in ihren Augen, in ihrer ganzen körperlichen Haltung zu erkennen. Schnippisch fragt sie zurück: "Ach ja? Und was ist Deiner Meinung nach ‚schön'?" Also antworte ich müde: "Das ist aber eine sehr philosophische Frage. Darüber muss ich bis morgen früh nachdenken." Man bezeichnet dies als taktische Rhetorik und dazu wäre es nämlich dumm zu antworten: "Ja, schaue doch, was neben dir liegt - das ist schön!" Vollkommen falsche Antwort, zwar ehrlich, aber falsch! Mit einem Kuss rette ich die Situation und erhoffe mir den ersehnten Schlaf und Ruhe für meine Lenden. Fehlanzeige, denn im Nu folgt die zweite große Frage: "Bin ich eigentlich dein Typ?" Was soll das denn jetzt? Ich überlege, ob ich mir einen Post-It auf die Stirn kleben soll, auf dem "Bitte nicht stören" in dicken, schwarzen Druckbuchstaben steht. Mir ist auch bewusst, dass ich nur zwei Antwortalternativen zur Hand habe. Erstens: ich beantworte diese Frage mit einem ‚Ja', so würde ich hochhaushoch lügen, könnte aber endlich dem Sandmännchen zur Begrüßung die Hand reichen. Zweitens: ich beantworte diese Frage mit einem ‚Nein', so lüge ich zwar nicht, aber werde in eine endlose Diskussion verwickelt, die ich aber jetzt nicht ertragen möchte. Ich antworte dementsprechend mit einem gespielten, verliebten ‚Vielleicht', zwinkere ihr gespielt verliebt zu und als Dank kuschelt sie sich näher an mich heran, das meine eh schon vorhandene Schweißproduktion deutlich erhöht.
Endlich die ersehnte und eigenvergönnte Ruhe. Langsam gleite ich in die Tiefschlafphase als aus dem Nichts, neben mir, eine weitere Frage ertönt: "Ach, wieso habe ich dich erst jetzt getroffen?" Ich überlege, ob ich mit "Pech" antworten soll. Da ich aber Schriftsteller bin und mich einigermaßen als wortgewandt sehe, überlege ich zwischen den Begriffen Schicksal, Fügung, Bestimmung, Geschick, Kismet, Verhängnis, Vorsehung oder Zufall. "Ach, weißt du, manches ist eben Kismet!" Plötzlich rollt sie sich auf mich und küsst mich. "Nein, nein, ich sagte ‚Kismet' und nicht ‚küss mich'!" Das scheint ihr aber vollkommen egal. Und so langsam wird mir auch alles egal. Meinen Schlaf kann ich wohl an den Nagel hängen, denn sofort nimmt sie mich erneut in den Arm, legt ihren Kopf auf meine muskulöse, behaarte Männerbrust und haucht in Richtung Horizontale: "Ich bin ja so glücklich!" "Na ja", denke ich, "wenigstens einer von uns!", aber natürlich antworte ich mit einem "Vielleicht!" "Wie bitte", fragt sie und schaut mir in die Augen. Jetzt aber irgendwie ganz schnell die Kurve bekommen: "Vielleicht... sollten wir unser Glück nur genießen, im Hier und Jetzt!" "Och, das hast du jetzt aber schön gesagt", und ihr Kopf liegt wieder an der letzten Position. Natürlich, ich bin wortgewandt. Doch dann ihre Gegenfrage zu ihrer Glücksfrage: "Bist Du eigentlich glücklich mit mir?" Gerade als ich Luft holen möchte, um meiner spontanen Notlüge die Bühne frei zu machen, fügt sie ihrer Frage ein "und sei ehrlich" hinzu. Mist! Vorhang fällt wieder! Ich überlege und ich merke, dass ich zu lange überlege. Mir will keine Antwort einfallen. Grillen zirpen in meinem kreativen Teil des Gehirns und ein Heuballen rollt verwegen durch mein Sprachzentrum. Plötzlich schüttele ich mich. Kurze Überreaktion und ich bemerke wieder, wie ich auf Stress reagiere. "Marv, ist was?" "Äh, nur Schüttelfrost. Hat aber nichts mit dir zu tun." "Ach so", sagt sie darauf und bringt dieses bekannte schwärmende ‚Hmmm' hervor, wobei sie andauernd meine Brust streichelt, die mittlerweile durch ihre unaufhaltsamen Auf- und Abbewegungen wund geworden ist, und spielt mit meiner Brustbehaarung. "Ich lasse Dich niiieeeee wiiieeedeer los", dazu drückt sie mich schon wieder und klammert sich an mir förmlich fest, wie eine menschliche Kette umringen mich ihre Arme. Wenigstens beendet sie das ewige Streicheln. Es gibt nur ein dezentes biologisches Problem: ich müsste wirklich dringend auf die Toilette. Ich hasse diesen Spruch eh ganz speziell. Wenn man den Spruch rein logisch betrachtet, basiert die Intention schon allein auf einem ignoranten und egoistischen Ansatzpunkt. Soll ich etwa mit ihr zusammen auf die Toilette? Sie hängt weiterhin an mir und ich trage sie dann wie ein Baby - Hauptsache: sie lässt mich niiiieee wiiieeeder los. Vielleicht kann sie ja dann halten, wenn ich pinkeln möchte und in der Zwischenzeit putze ich mir die Zähne. Ich stelle mir diese Art von Beziehung doch sehr schwierig vor.
Zum Abschluss meine Lieblingsreflexion. Sie sagt doch tatsächlich zu mir: "Schnuffelchen, bei dir fühle ich mich wie zu Hause." "Wir liegen ja auch in deinem Bett!" Manchmal ist es ein Fluch Realist zu sein.
Rastlose Liebe dem schnee dem regen, dem wind entgegen, im dampf der klüfte, durch nebeldüfte, immer zu! immer zu! ohne rast und ruh!
lieber durch leiden, möcht ich mich schlagen, als so viele freuden des lebens ertragen. all das neigen, von herzen zu herzen, ach wie so eigen, schaffet das schmerzen!
wie soll ich ziehen? wälderwärts fliehen? alles vergebens! krone des lebens, rast ohne ruh ... von J. W. Goethe
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