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Heute ist ein toter Tag. Sonntage sind aber auch langweilig.
Man könnte natürlich einen Spaziergang unternehmen, aber dazu habe ich keine Lust. Mit einem Kollegen einen Kaffee trinken gehen, aber irgendwie komme ich einfach nicht aus meinem Bett heraus.
Ich schalte, wie immer den Fernseher ein, und zappe herum.
"Britney On Concert"... nicht am frühen Mittag, Politikgespräche...zu schwermütig, ein DDR-Märchen - genau richtig.
Ich schaue mein DDR-Märchen und mir kommt eine Frage in den Sinn: "Wieso haben die Schauspieler gar keinen östlichen Akzent?" Normalerweise würde man gar nichts verstehen, wenn der östliche Akzent zuschlägt.
Egal, was soll's.
Nach sechzig Minuten Märchenstunde zappe ich die Kanäle wieder hoch.
Eine Kochsendung, mein Magen beginnt zu knurren, aber ich will einfach nicht aufstehen.
Wenn der Tag schon tot ist, dann kann ich auch tot sein. Das ist nur gerecht. Wofür gibt es denn sonst Sonntage?
In die Kirche gehen? Ist mir zu früh.
(Außerdem würde ich jeden Sonntag vor der Wahl stehen: heute lieber den katholischen oder evangelischen Gottesdienst?)
Frühstücken? Das verschlafe ich ungewollt.
Spazieren? Bloß keinen Körperverschleiss!
Wie man erkennt, sitze ich in einem Teufelskreis und der Schweinehund dreht seine kontrollierenden Runden und passt auch schön auf, dass ich den Kreis nicht verlasse.
Ich persönlich habe auch nichts dagegen. Solange ich mein Bett in diesem Kreis stehen habe und mich nicht bewegen muss.
Es war aber auch eine gute Idee den Fernseher genau neben das Bett zu stellen und Dank des Infrarotes muss ich noch nicht einmal aufstehen, um die Kiste anzuwerfen.

Nach 37 Kanälen, wobei hier einige Kanäle doppelt sind, muss ich schmerzlich bemerken, dass nur noch Schnee auf Polly erscheint. (Hat man eigentlich ein tiefes psychologisches Problem, wenn man seinem TV-Gerät einen Namen gibt?)
Also zappe ich wieder die Kanäle herunter, wieder vorbei an der Kochshow, wieder vorbei an Britney und der Politik.
Ich suche meinen Computer. Mein neuer 24-Zoll-Monitor steht glänzend auf meinem Schreibtisch, der für mich unendlich weit entfernt erscheint.
Ich rolle mich seufzend auf die Seite, schaue an meinem Bettrahmen vorbei und entdecke meine Tastatur (mit Infrarot). Ich drücke auf die SPACE-Taste, mein Computer fängt fröhlich an zu piepsen - wenigstens kann hier einer hoch fahren.
Ich zappe, da ich unten angekommen bin, wieder hoch. Dieses Mal ganz schnell an der Kochsendung vorbei und lande auf einem Kinderkanal.
Komisch gezeichnete Figuren tanzen auf dem Bildschirm herum, und singen dazu. Soll das wirklich eine Ente darstellen? Ich kann zwar Ecken und Kanten erkennen, aber wenn das ein Schnabel ist, dann.....mir wird schwindelig vom überhöhten Denken. Ich zappe einen Kanal höher.
In der Zwischenzeit ist mein Computer hochgefahren und ich stelle meinen Bildschirm auf eine 800x600-Auflösung ein, so dass ich alles wunderbar vom Bett aus erkennen kann.
Plötzlich ein lautes "OH-OH!" Mist, ich habe vergessen, dieses neue Chat-Programm auszuschalten. Jetzt, wo es im Autostart ist....was soll's, mir soll bloß nicht wieder schwindelig werden und das Problem kann ich auch morgen beseitigen.
Ich schaue mir diese Chat-Message an und bemerke, dass es nur SPAM ist: "Ich habe Sie hinzugefügt. Machen Sie das auch & ich zeige Ihnen, wie ich das mache! - Karen"
Ich hasse diese Werbung besonders. Seitdem ich dieses Chat-Dings habe, bekomme ich fast täglich diesen total unlogischen Satz.
Aber bloß nicht aufregen, ich spüre schon meine Vene am Kopf pochen. Ich klicke diese Nachricht einfach weg.
Da kommt mir doch eine Idee: ich könnte Kevin anchatten.
Ich klicke auf seinen Namen und ein kleines Fenster öffnet sich. Ich tippe ein "Guten Morgen" in die Messagebox und klicke auf Send.
Während ich auf eine Antwort von Kevin warte, entscheide ich mich für den Kanal 23. Im Moment läuft ein kitschiger Abenteuerfilm und die Schauspielerin sieht ganz passabel aus.
OH-OH! Die Messagebox öffnet sich: "Morgen Marv, jetzt erst wach?"
(alles weitere spielt sich in Messageboxen ab)
"Ach...ist ja Sonntag"
"Schau nach draußen. Die Sonne scheint!"
Ich öffne meinen Internet-Browser und schaue auf www.wie-ist-das-wetter-sonntags.de nach.
"Stimmt. Es soll heute 23 Grad werden."
"Siehste mal, wir wollen in einer Stunde mit dem Grillen anfangen. Magst du auch kommen?"
"Wenn ihr neben meinem Bett grillt, gerne."
"Du kannst so langweilig sein."
"Ich bin heute nur ... eben....mach's gut!"
Ich schliesse meine und seine Messagebox und stelle mich auf Invisible. Das ist das Schöne am Chatten, man kann sich einfach verdrücken, wenn man in eine nicht gewollte Diskussion nicht verwickelt werden möchte.
Desweiteren scheint auch keiner verärgert zu sein. Anstatt angemeckert zu werden, kommt eher die Frage: "Was ist denn passiert?" und dann Ausreden zu erfinden, war niemals ein allzu grosses Problem von mir.

Ich überlege kurz und lasse mich gleichzeitig von dem Abenteuerfilm berieseln, in dem gerade zwei Jugendliche in einer Oase nackt herum rennen und das auch noch zu allem Überfluss lustig finden.
Ich schaue auf die Uhr - immerhin könnte es ja schon Abend sein - und ich erkenne auf meiner TASKBAR "15:14". Mist, noch so früh? Was mache ich denn?
Ich gehe erneut ins Internet und besuche eine TV-Zeitung. Ich klicke mit Profi-Suche alle meine Lieblingskanäle und alle Uhrzeiten von 15 Uhr bis 1 Uhr nachts an.
Heraus kommt eine wunderbare Auflistung aller Filme und Sendungen zwischen 15 und 1 Uhr an diesem Sonntag.
Innerhalb von zehn Minuten habe ich alle wichtigen und sehenswerten Sendungen und Uhrzeiten sortiert und komme nun zum zweiten Schritt: die Sendungen nämlich so zu organisieren, dass sich die eine mit der anderen Sendung maximal 5 Minuten überscheidet, um einen direkten Übergang von einer Sendung zur anderen Sendung zu schaffen.
Ist dieses auch geschafft, so hat man meinen Fernsehplan für den ganzen Sonntag.
Leider ist dieser Sonntag von den TV-Sendern nicht gut genug mit sehenswerten Sendungen ausgestattet. Um ehrlich zu sein, es existiert ein Loch in meinem Fernsehplan von genau einer Stunde und dreiundvierzig Minuten.
Aber auch hierfür habe ich eine Lösung, die ich unter meiner Matratze finde: ein kleines Heftchen - DAS Heftchen, das Heftchen der TV-Lückenfüller. (In diesem Heftchen sind alle meine Filme aufgezeichnet.)
Ich blättere durch und schaue mir das Register mit meinen Filmen an. Manche sind auf Videos gebannt, andere auf DVDs.
Ich suche alle Filme, die eine Laufzeit zwischen 1 h 30 min bis maximal 1 h 48 min erfüllen, heraus.
Weitere zehn Minuten vergehen und ein Ausleseverfahren beginnt, denn immerhin brauche ich einen Film, der zu meiner toten Sonntagsstimmung passt.
Ich entscheide mich endgültig für den guten, alten Film:
Wenn jeder Tag ein Sonntag wär'...


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