Termine
Marvin & Friends
Marvin on Mono
Supported by...
Presse
andere
Lesen gehört
Gallerie
Wallpaper
e-Shop
NEWSletter
Impressum

Teil 1

Scheunenfest. Und dies im Winter. Okay, warum auch nicht. Silvester feiert man auch in kalter Atmosphäre. Außerdem habe ich schon immer ein Event gesucht, welches mitten im Dezember zusätzlich Grillspezialitäten anbietet. Auf diesem Scheunenfest gehen all meine Wünsche in Erfüllung und so gehen Fred und ich auf das erwähnte Fest.

„Und die grillen da echt? Also live im Winter?“, fragt mich Fred erstaunt.
„Ja, klar! Rumpsteak, Bratwurst, Krakauer mit gegrilltem Toast, Chickenwings, alles“, antworte ich freudig.
„Wahnsinn. Die kommen ja auf Ideen, diese Veranstalter!“
„Und so kreativ!“
„Und so einmalig!“
„Und so genial!“

Wir laufen und laufen und laufen. Irgendeine endlose Landstraße scheint unser Weg zur Party zu sein. So sicher sind wir uns da beide auch nicht mehr, aber wir laufen einfach weiter.
„Marv, ist dir nicht in diesem kurzen Hemd und Bermudashorts kalt?“
„Fred, alles für die Party. Wenn die schon das Motto ‚Grillen’ anbieten, will ich doch nicht aus der Reihe tanzen.“
Fred schaut erneut auf mich herab, richtet seinen hohen Jackenkragen, um sich vor einer Minus-Sechs-Grad-Windböe zu schützen und meint: „Du trägst nicht einmal eine Jacke. Dir muss kalt sein!“
„Ja und“, denke ich, „alles für das spätere Partyimage.“
„Wer cool sein will, muss leiden“, begegne ich.
„Oder den Frosttod erleiden. Dann leide ich lieber, um schön zu sein“, sagt Fred lachend.
„Dann viel Spaß für die nächsten dreißig Jahre voller Qualen und Schmerzen.“
„Du bist doch nur so übel gelaunt, da du dir den Arsch abfrierst. Komm’ doch unter meine Jacke, Mäusken!“
„Hör auf! Ich werde bestimmt nicht auf einer dunklen Landstraße mit dir unter einer Jacke hängen. Wie sieht das denn bitte aus?“
So gehen wir weiter und immer noch kein Licht in Sicht. Nichts in der Nähe oder Ferne könnte annähernd an eine Scheune oder Diskothek erinnern. Wir sind mutterseelenallein.
Langsam aber sicher spüre ich meine Zehen nicht mehr, da ich natürlich Flipflops angezogen habe und beginne laut zu fluchen.
Plötzlich haut mir Fred auf die Schulter: „Sieh nur, ein Stern!“
„Das rettet uns natürlich. So ein bekloppter Nordstern am Himmel. Da sind übrigens noch weitere Tausende am Himmel. Aber DU siehst natürlich wieder nur einen.“
„Marv, schaue nach oben. Da ist echt ein Stern.“
Genervt schaue ich gen Himmel und beim Aufblicken erkenne ich tatsächlich einen Stern in seiner klassischen Fünf-Zacken-Form und einem leuchtenden Reklamesternenschweif. Unter dem Stern steht in großen, blickenden Lettern ‚Bed, Tel, Ham – Motel’.
Wir steuern sofort auf das Motel zu. Ich persönlich renne und spüre schon die auf mich höflich wartende Wärme.

An der Rezeption angekommen, werden wir von einer Dame mittleren Alters nett begrüßt.
„Ach, Sie sind aber ein nettes, junges Pärchen!“
Ich schaue Fred an, dann die Dame und möchte gerade das Missverständnis aufklären, als mir Fred zuvorkommt:
„Och, vielen, vielen Dank. Ja, heute sind wir ganze fünf Jahre zusammen.“ Dabei nimmt er mich in den Arm und knipst mir verliebt ein Auge zu.
„Fred, wir sind nic…“
„Ja, ja, das sagst du immer, wenn wir woanders sind. Wissen Sie“, er beugt sich zu der Rezeptionisten herüber, „wir sind zwar seit fünf Jahren ein glückliches Paar, aber hat sich immer noch nicht geoutet. Das tut wirklich weh, aber ich liebe ihn halt. Was soll man machen? Wo die Liebe hinfällt, sage ich immer.“ Fred winkt zärtlich nach Beendigung des Satzes ab und bringt ein seufzendes „Hach jaaa!“ hervor.
Leider fährt er unverzüglich fort: „Wissen Sie, ich habe es ihm schon tausende Male gesagt: steh zu dem, was du liebst. Streube dich nicht gegen deine Gefühle.“
Es reicht mir: „Fred, hör auf damit. Wir sind kein Paar und werden es nie sein!“
„Ach ja? Schau dir doch dein extrovertiertes Outfit an. Wir haben tiefsten Winter und du kleiner Schnullerzieher stehst hier mit Bermudashorts und Flipflops.“
Die Dame stimmt Fred nickend zu und betrachtet mich nun intensiver. Doch dem nicht genug, denn Fred schaut mich plötzlich mit einem besonderen Blick an, beginnt seine Unterlippe zittern zu lassen, verhüllt sein Gesicht in den Händen und sagt weinend: „Es tut so weh. Es tut so weh, wenn du es sagst. Ich will nicht mehr. Wo ist die Bar?“
Die Dame weist ihm die Richtung und Fred läuft darauf dramatisch heulend, mit einem unheimlichen Hüftschwung und den Armen in die Luft schüttelnd in Richtung Bar.
Ich stehe nur noch perplex an der Rezeption und schaue die Angestellte an.
„Darf ich mal telefonieren?“
„Tzö, aber nur, um sich bei Ihren Eltern zu outen und ihnen dann zu sagen, wie sehr Sie ihn lieben! Ich werde Zeugin sein.“
„Ich möchte aber nur ein Taxi bestellen!“
Die erboste Dame rümpft ihre Nase und verneint mir mit dieser Intention das Telefonieren.
„Mann ey“, fluche ich entnervt und folge Fred in die Bar, in der Fred lässig an der Theke sitzt und sich mit dem Barkeeper unterhält.
„Arschloch“, sage ich und setze mich neben Fred.
„Naja, wenigstens ist dir jetzt nicht mehr so kalt, mein warmer Bruder!“
Der Barkeeper stellt mir ein Bier auf den Tresen und knipst mir ein Auge zu.
„Denkt der Typ, ich bin auch…“
„Nein, nein“ sagt Fred, „das tat er bei mir auch. Ich denke, für heute habe ich dich genug in der Öffentlichkeit gedemütigt.“
„Arschloch!“
„Prost!“
„Arschloch!“

Nach drei weiteren gescheiterten Versuchen, das Telefon von der Rezeptionisten zu ergattern, indem mich die Dame vollkommen ignoriert, versuche ich Fred davon zu überzeugen, ein Taxi zu bestellen. Fred aber hängt vor einem Flyer und zeigt auf das heutige Datum.
Ich lese: ‚X-MAS-Party - legendär’.
„Weißt heißt denn bitte ‚xmas’?“, frage ich.
Fred verdreht die Augen: „Junge, X steht für extrem und m-a-s für ‚massig außerordentlicher Spaß! Also extremer massig außerordentlicher Spaß! Kapiert?“
„Coole Sache“, sage ich mit leuchtenden Kinderaugen.


.: Fortsetzung folgt - zurück zu den Geschichten :.


French Girl In A Relationship <

Unsere erste Wohnung >

Startseite