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Wenn man an den Begriff ‚Kundenbindung’ denkt, fallen in meinem Freundeskreis die Assoziationen ‚Qualität’, ‚Kundenfreundlichkeit’ und ‚Präsente’.
Doch reißen wir die Augen bewusst im Dienstleistungssektor auf, so erkennen wir das nicht allzu neue, aber uns überrollende und für mich fast sinnloseste Kundenbindungsmittel: Zehnfelderabstempelkärtchen.
Wir kennen sie alle. Man geht einen Abend zu einem Dönerimbiss, da die Kochlust sich versteckt hat, und bestellt einen Döner. Zwischen den Fragen ‚Was kommt drauf?’ und ‚Zum Mitnehmen?’ wird noch schnell das Prinzip dieser Zehnfelderabstempelkärtchen erklärt, dass man nur nach zehn Dönern einen kompletten Döner gratis bekäme, aber dann auch nur ohne Schafskäse und auch nur mit Hähnchenfleisch und ganz wichtig, nur zwischen elf und sechszehn Uhr, aber immerhin einen Döner umsonst.
(Der Döner ist fast nur zufällig gewählt. Es hätte auch ein(e) Pita oder eine Pizza sein können, jedoch ist der Döner in dieser Geschichte wichtig und tatsächlich aus dem wahren Leben gegriffen.)
Das, meine Damen und Herren, ist früher der Fall gewesen. Heutzutage gibt es zwar immer noch diese Kärtchen zum Aufklappen mit angeblich lustigen Motiven und ihren zehn Feldern, aber nun mit einer Konsumgrenze: „Ab 8,- Euro einen Stempel“.
Ich frage mich, was ich – nehmen wir wieder einen Dönerimbiss – für acht Euro bestellen, gar essen soll. Alleine die Menge für eine einzelne Person ist nicht schaffbar.
Ein Döner kostet im Schnitt um die drei Euro und ein Lachmacun ohne Fleisch zwei Euro und somit lande ich auch bei acht Euro (2 * 3€ + 1 * 2€), um einen kleinen Stempel zu bekommen, der die Hoffnung in mir weckt, in ungefähr einem Jahr einen Gratis-Döner zu ergattern.
Kommen wir zuerst auf die Menge zurück.
Ja, meint man denn, um einen Stempel in seinem neuen Gratisheft zu bekommen, dass man wirklich zwei Döner und ein Lachmacun bestellt, nach Hause geht und zwei Freunde anruft und überglücklich, voller Stolz sagen wird: „Hey, superklasse Sache. Ich habe einen Stempel für nur acht Euro bekommen. Ach ja, habt ihr Lust auf einen Döner und einen Lachmacun? Ich gebe einen aus.“
Abgesehen davon, kenne ich kaum Menschen, die jeden zweiten Tag einen Döner essen. Und das Argument, Döner, Pizzen und Pitas gehören zur ausgewogenen Ernährung, zählt nicht.
Ich habe auch schon einmal den Rest eingefroren und nach einer Woche im Backofen aufgewärmt und das ist auch das erste und letzte Mal gewesen. Da kann man ja gleich zu McD oder Burger King gehen, sich zwei Superduper-Quatro-Trio-layed-Burger kaufen und sie auch einfrieren. Aber habt ihr Fastfoodburger eingefroren? Nein? Sehr gut!
Pädagogisch übrigens sinnvoll, wenn man seine Ernährung umstellen möchte und einen kleinen Anstoß braucht. Burger kaufen, einfrieren und wieder in der Mirkowelle aufwärmen.
Kurz: Obst und Gemüse sind schon dolle Erfindungen!

Nächster Punkt und Falle dieser Kärtchen: sie sind zum Verlieren prädestiniert. Meistens sind diese Kärtchen zu groß, um sie in einem Portmonaie unterzubringen und liegen ungewollt verschmutzt auf herrenlosen Strassen herum, indem sie herausrutschen oder sie sind zu klein gefertigt worden, dass man diese Kärtchen nicht wiederfinden kann, das zu einem neuen Zehnerabstempelkärtchen führt und einen erneut in den Teufelskreis zieht.

Aber wäre ich ohne einen falschen Ehrgeiz. Nach achtzehn Monaten habe ich es endlich geschafft, zehn Mal acht Euro in Döner zu investieren und gehe stolz wie Oskar zu meinem Dönerimbiss des Vertrauens.
„Hier Meister, ich habe mittlerweile achtzig Euro ausgegeben, um einen Döner ohne Schafskäse, nur mit Hähnchenfleisch und“, ich schaue auf die Uhr, „zwischen elf und sechszehn Uhr mir meinen Gratisdöner abzuholen!“
Der Inhaber prüft und mustert mein Kärtchen. Er wendet es mürrisch hin und her und es scheint, als ob er etwas suche.
Plötzlich strahlt er: „Ah, der erste Stempel ist ja achtzehn Monate alt!“
„Ja und?“
„Die Karte gilt nur innerhalb eines Jahres. Somit ist dieser Stempel ungültig und zählt nicht mehr. Du hast somit nur neun Stempel. Döner???“
„Ja, zwei Döner, ein Lachmacun ohne Fleisch mit allem und zum Mitnehmen, bitte!“
„Das macht acht Euro“, und ich habe eine neue Karte und meinen nun elften Stempel.
Willkommen im Teufelskreis...


Mein weißer Punkt auf den Haaren <

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